Anthropic hat den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz von KI-Inhalten unterzeichnet und markiert Claudes Ausgaben deshalb maschinenlesbar – nicht nur in Europa, sondern überall. Text bekommt ein unsichtbares Wasserzeichen, Dateien signierte Herkunftsdaten. Was das für Schweizer Firmen bedeutet, die in die EU liefern.
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Die Markierung macht KI-Text auffindbar, aber nicht die Urheberschaft beweisbar. Wer in der Schweiz mit Claude arbeitet und in die EU liefert, muss seine Transparenzpflichten trotzdem selbst prüfen.
Anthropic hat den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz KI-generierter Inhalte unterzeichnet – und zieht daraus eine globale Konsequenz. Alle Claude-Modelle, die ab dem 2. August 2026 in der EU starten, weben laut Anthropics Support-Dokument ein unsichtbares Wasserzeichen direkt in ihren Text ein. Und zwar nicht nur in Europa, sondern überall, wo Claude angeboten wird: über die API, Claude, Claude Code, Claude Cowork und Claude Tag.
Anthropic kombiniert zwei Techniken. Beim Text sitzt die Markierung im Modell selbst – du siehst sie nicht, und sie verändert laut Anthropic weder Bedeutung noch Qualität oder Lesbarkeit der Antwort. Weil sie Teil des Textes ist, wandert sie beim Kopieren mit und übersteht «some editing», wie es im Dokument heisst. Wie viel Bearbeitung genau, sagt Anthropic nicht.
Bei Dateien wie .svg, .png oder .jpg hängt Claude stattdessen signierte Herkunftsdaten an, nach dem offenen C2PA-Standard. Die verraten nicht nur, dass Claude im Spiel war, sondern auch, ob die Datei nachträglich manipuliert wurde. Modelle von vor dem Stichtag werden während der gesetzlichen Übergangsfrist nachgerüstet.
Der AI Act hört nicht an der EU-Grenze auf. Artikel 2 erfasst ausdrücklich auch Anbieter und Betreiber aus Drittstaaten, sobald der Output ihres KI-Systems in der Union verwendet wird – und die Schweiz ist ein Drittstaat. Schweizer Firmen, die mit Claude Inhalte erzeugen und diese in die EU liefern, sind also mitgemeint.
Ein eigenes Gegenstück fehlt bislang: «In der Schweiz besteht bisher noch keine übergreifende Gesetzgebung spezifisch zu KI», hält das BAKOM fest. Der Bundesrat hat am 12. Februar 2025 entschieden, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren und nötige Anpassungen möglichst sektorbezogen vorzunehmen. Bis Ende 2026 soll eine Vernehmlassungsvorlage stehen – ausdrücklich auch zum Thema Transparenz.
Für alle, die KI-Texte veröffentlichen, steckt der interessanteste Teil in Artikel 50 Absatz 4. Wer KI-generierten Text publiziert, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, muss das offenlegen. Mit einer wichtigen Ausnahme: Die Pflicht entfällt, wenn der Inhalt eine menschliche Prüfung oder redaktionelle Kontrolle durchlaufen hat und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt.
Für Schulen und Hochschulen taugt das Wasserzeichen dagegen kaum als Plagiatsdetektor. Anthropic schreibt selbst, dass ein Fund nicht belegt, wer den Inhalt verfasst hat – Leute lassen ihre eigenen Texte korrigieren, übersetzen oder zusammenfassen, und das Ergebnis trägt trotzdem die Markierung.
Umgekehrt gilt genauso: Fehlt die Markierung, heisst das nichts. Starkes Umschreiben, Übersetzen, sehr kurze Passagen oder ein simpler Screenshot lassen sie verschwinden. The Register weist zudem darauf hin, dass für C2PA längst quelloffene Entfernungswerkzeuge existieren. Verifikationstools will Anthropic bereitstellen – wann, ist offen.
Bemerkenswert bleibt das Tempo im Vergleich: Google DeepMind machte sein Text-Wasserzeichen SynthID schon im Oktober 2024 quelloffen, während OpenAI einen 2024 gemeldeten Detektor mit 99,9 Prozent Trefferquote damals zurückhielt. Inzwischen haben beide denselben Kodex unterschrieben – zusammen mit rund 190 Organisationen, wie die EU-Kommission Ende Juli mitteilte.
Nach Kaliforniens Kennzeichnungsgesetz und Sunos Song-Markierung ist das der nächste Schritt in dieselbe Richtung. Nur zieht Anthropic die EU-Regel diesmal nicht an der Grenze ein, sondern baut sie ins Modell – und exportiert europäische Transparenz damit gleich in die ganze Welt.
OpenAI baut eine zweite Preisstufe in ChatGPT Business ein: Premium Seats für 125 US-Dollar pro Nutzer und Monat, 100 Dollar bei Jahresabrechnung. Dafür gibt es fünfmal mehr Nutzung und kein Fünf-Stunden-Limit mehr; die Standard-Plätze bleiben bei 25 Dollar. Für ein KMU mit zehn Plätzen heisst das je nach Mischung bis zu 80 Prozent höhere Kosten – und die Frage, wer den teuren Platz wirklich braucht.