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Claudes Wasserzeichen gilt weltweit – auch für Schweizer Firmen

Anthropic hat den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz von KI-Inhalten unterzeichnet und markiert Claudes Ausgaben deshalb maschinenlesbar – nicht nur in Europa, sondern überall. Text bekommt ein unsichtbares Wasserzeichen, Dateien signierte Herkunftsdaten. Was das für Schweizer Firmen bedeutet, die in die EU liefern.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
12. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Handgezeichnete Illustration: ein Blatt Text mit unsichtbarer Markierung unter einer Lupe, im Hintergrund ein Sternenkranz – kinewsletter.ch Stil
Handgezeichnete Illustration: ein Blatt Text mit unsichtbarer Markierung unter einer Lupe, im Hintergrund ein Sternenkranz – kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Unsichtbar im Text, signiert an der Datei02Warum Brüssel bis in dein Büro reicht03Redaktionelle Verantwortung schlägt Kennzeichnungspflicht04Ein Treffer beweist noch keine Autorschaft
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01Unsichtbar im Text, signiert an der Datei02Warum Brüssel bis in dein Büro reicht03Redaktionelle Verantwortung schlägt Kennzeichnungspflicht04Ein Treffer beweist noch keine Autorschaft
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Die Markierung macht KI-Text auffindbar, aber nicht die Urheberschaft beweisbar. Wer in der Schweiz mit Claude arbeitet und in die EU liefert, muss seine Transparenzpflichten trotzdem selbst prüfen.

Anthropic hat den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz KI-generierter Inhalte unterzeichnet – und zieht daraus eine globale Konsequenz. Alle Claude-Modelle, die ab dem 2. August 2026 in der EU starten, weben laut Anthropics Support-Dokument ein unsichtbares Wasserzeichen direkt in ihren Text ein. Und zwar nicht nur in Europa, sondern überall, wo Claude angeboten wird: über die API, Claude, Claude Code, Claude Cowork und Claude Tag.

Unsichtbar im Text, signiert an der Datei

Anthropic kombiniert zwei Techniken. Beim Text sitzt die Markierung im Modell selbst – du siehst sie nicht, und sie verändert laut Anthropic weder Bedeutung noch Qualität oder Lesbarkeit der Antwort. Weil sie Teil des Textes ist, wandert sie beim Kopieren mit und übersteht «some editing», wie es im Dokument heisst. Wie viel Bearbeitung genau, sagt Anthropic nicht.

Bei Dateien wie .svg, .png oder .jpg hängt Claude stattdessen signierte Herkunftsdaten an, nach dem offenen C2PA-Standard. Die verraten nicht nur, dass Claude im Spiel war, sondern auch, ob die Datei nachträglich manipuliert wurde. Modelle von vor dem Stichtag werden während der gesetzlichen Übergangsfrist nachgerüstet.

Warum Brüssel bis in dein Büro reicht

Der AI Act hört nicht an der EU-Grenze auf. Artikel 2 erfasst ausdrücklich auch Anbieter und Betreiber aus Drittstaaten, sobald der Output ihres KI-Systems in der Union verwendet wird – und die Schweiz ist ein Drittstaat. Schweizer Firmen, die mit Claude Inhalte erzeugen und diese in die EU liefern, sind also mitgemeint.

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Ein eigenes Gegenstück fehlt bislang: «In der Schweiz besteht bisher noch keine übergreifende Gesetzgebung spezifisch zu KI», hält das BAKOM fest. Der Bundesrat hat am 12. Februar 2025 entschieden, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren und nötige Anpassungen möglichst sektorbezogen vorzunehmen. Bis Ende 2026 soll eine Vernehmlassungsvorlage stehen – ausdrücklich auch zum Thema Transparenz.

Redaktionelle Verantwortung schlägt Kennzeichnungspflicht

Für alle, die KI-Texte veröffentlichen, steckt der interessanteste Teil in Artikel 50 Absatz 4. Wer KI-generierten Text publiziert, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, muss das offenlegen. Mit einer wichtigen Ausnahme: Die Pflicht entfällt, wenn der Inhalt eine menschliche Prüfung oder redaktionelle Kontrolle durchlaufen hat und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt.

Für Schulen und Hochschulen taugt das Wasserzeichen dagegen kaum als Plagiatsdetektor. Anthropic schreibt selbst, dass ein Fund nicht belegt, wer den Inhalt verfasst hat – Leute lassen ihre eigenen Texte korrigieren, übersetzen oder zusammenfassen, und das Ergebnis trägt trotzdem die Markierung.

Ein Treffer beweist noch keine Autorschaft

Umgekehrt gilt genauso: Fehlt die Markierung, heisst das nichts. Starkes Umschreiben, Übersetzen, sehr kurze Passagen oder ein simpler Screenshot lassen sie verschwinden. The Register weist zudem darauf hin, dass für C2PA längst quelloffene Entfernungswerkzeuge existieren. Verifikationstools will Anthropic bereitstellen – wann, ist offen.

Bemerkenswert bleibt das Tempo im Vergleich: Google DeepMind machte sein Text-Wasserzeichen SynthID schon im Oktober 2024 quelloffen, während OpenAI einen 2024 gemeldeten Detektor mit 99,9 Prozent Trefferquote damals zurückhielt. Inzwischen haben beide denselben Kodex unterschrieben – zusammen mit rund 190 Organisationen, wie die EU-Kommission Ende Juli mitteilte.

Nach Kaliforniens Kennzeichnungsgesetz und Sunos Song-Markierung ist das der nächste Schritt in dieselbe Richtung. Nur zieht Anthropic die EU-Regel diesmal nicht an der Grenze ein, sondern baut sie ins Modell – und exportiert europäische Transparenz damit gleich in die ganze Welt.

Quellen

Anthropic: How Claude marks AI-generated content↗ EXTERNER LINKEU-Kommission: Strong backing for the Code of Practice on Transparency of AI-generated Content↗ EXTERNER LINKEU AI Act, Artikel 50: Transparency Obligations↗ EXTERNER LINKEU AI Act, Artikel 2: Scope↗ EXTERNER LINKBAKOM: Künstliche Intelligenz – Auslegeordnung und Regulierungsansatz der Schweiz↗ EXTERNER LINKBundesrat: KI-Regulierung – Bundesrat will Konvention des Europarats ratifizieren (12.02.2025)↗ EXTERNER LINKTechCrunch: Anthropic says it will watermark text generated by its AI models↗ EXTERNER LINKThe Register: Anthropic pledges to embed watermarks to help discern AI slop in sop to EU↗ EXTERNER LINKEuronews: EU compliance, delivered globally – Anthropic to watermark Claude's output worldwide↗ EXTERNER LINKThe Decoder: Anthropic watermarks all Claude outputs globally↗ EXTERNER LINKC2PA – Coalition for Content Provenance and Authenticity↗ EXTERNER LINKGitHub: google-deepmind/synthid-text↗ EXTERNER LINKHugging Face: Introducing SynthID Text↗ EXTERNER LINKInfosecurity Magazine: OpenAI Leadership Split About In-House AI Watermarking Technology↗ EXTERNER LINK
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