Comparis lanciert als erstes Schweizer Immobilienportal ein eigenes ChatGPT-Plug-in. Eine hauseigene Bildanalyse durchsucht die Inseratefotos nach Merkmalen wie Kücheninsel, Holzboden oder besonders hellen Räumen, für die kein Filter existiert. Wichtiger als die Technik ist die Verschiebung dahinter: Der Einstiegspunkt der Suche wandert vom Portal in den Chat.
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Wenn Schweizer Inserate in ChatGPT erscheinen, beginnt die Suche weder auf dem Portal noch bei Google, und genau dort entscheidet sich künftig die Sichtbarkeit jedes Schweizer Anbieters.
Comparis hat am 22. September 2026 ein eigenes ChatGPT-Plug-in für die Immobiliensuche lanciert und ist damit nach eigenen Angaben das erste Schweizer Immobilienportal mit einer solchen Integration. Du formulierst deinen Wohnwunsch als Satz, und ChatGPT zeigt dir passende Comparis-Inserate direkt im Chat. Es läuft ab sofort in der Browser-Version und in der ChatGPT-App, pünktlich zum 30-Jahr-Jubiläum des 1996 gegründeten Vergleichsdiensts.
Spannend ist nicht die Sprachsuche, sondern was darunter läuft. Comparis wertet nach eigenen Angaben mit einer hauseigenen Bildanalyse die Inseratefotos aus. Damit lässt sich nach Merkmalen suchen, für die es in keiner klassischen Filterliste ein Häkchen gibt: eine Kücheninsel, ein Badezimmer mit Granitstein, besonders helle Räume. Der Beispiel-Prompt aus der Mitteilung lautet «Suche mir eine 3-Zimmer-Wohnung in Zürich mit einer Kücheninsel und Holzboden».
Der Haken: Du findest nur, was die Bilderkennung auf den Fotos tatsächlich erkennt, und Inseratefotos sind Marketingmaterial. Was nicht bei Comparis inseriert ist, erscheint im Chat ohnehin nicht. In einem angespannten Markt ist das eine zusätzliche Suchachse, kein vollständiger Marktüberblick.
Comparis und die Schweizer Medien sprechen von einem Plug-in, und das ist korrekt: OpenAI führt seine Entwicklerdokumentation heute wieder unter genau diesem Begriff. Ein Plug-in ist dort ein Paket aus Skills und optional einem MCP-Server, das im gemeinsamen Verzeichnis von ChatGPT und Codex veröffentlicht wird. Heisst: Hinter der Kachel im Chat steckt in der Regel eine Server-Schnittstelle, die Anfragen annimmt und Inserate zurückgibt. Technische Details hat Comparis nicht publiziert.
Comparis verlagert damit einen Teil der eigenen Suche in einen fremden Chat. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben über 80 Millionen Besuche pro Jahr, und ein Teil davon beginnt künftig weder auf comparis.ch noch bei Google. «Mit dem Plug-In in ChatGPT sind wir dort präsent, wo Konsumentinnen und Konsumenten heute nach Antworten suchen», sagt CEO Ingo Kopido.
Für dich als Mieterin oder Käufer heisst das weniger Klickarbeit. Für jedes Schweizer Unternehmen mit eigenem Portal, Katalog oder Buchungssystem heisst es etwas Unbequemeres: Sichtbarkeit entscheidet sich zunehmend dort, wo die Frage gestellt wird. Wer nur für Google optimiert, optimiert bereits für den zweiten Einstiegspunkt.
Nachdem führende KI-Chefs am Wochenende vor den Risiken ihrer eigenen Technologie gewarnt hatten, gerieten am Montag auch Schweizer Aktien unter Druck. Comet verlor 6,6 Prozent, VAT 5,7 Prozent, ABB 3,6 Prozent. Betroffen sind vor allem Zulieferer für Rechenzentren und Chipfertigung.