Laut Bloomberg will DeepSeek mindestens 160'000 Huawei-Ascend-950DT-Beschleuniger in ein Rechenzentrum in der Inneren Mongolei stellen — es wäre der grösste bekannte Cluster aus chinesischen KI-Chips. Der Haken: Die Chips sollen nur Inferenz laufen lassen. Fürs Training bleibt DeepSeek bei Nvidia.
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China kann den Alltagsbetrieb seiner KI-Modelle zunehmend auf eigener Hardware fahren — das Training aber noch nicht. Genau an dieser Nahtstelle entscheidet sich, wie ernst die Entkopplung von Nvidia wirklich ist.
Es wäre der grösste bekannte Cluster aus chinesischen KI-Chips: Laut einem Bloomberg-Bericht vom 4. September plant das KI-Labor DeepSeek, mindestens 160'000 Huawei Ascend 950DT in einem neuen Rechenzentrum in Ulanqab in der Inneren Mongolei einzusetzen. Bestätigt hat das bislang niemand — der Bericht stützt sich auf anonyme Quellen, und weder DeepSeek noch Huawei haben sich öffentlich dazu geäussert.
Die Anlage soll Berichten zufolge im Gigawatt-Massstab gebaut werden — genug Strom für rund 750'000 Haushalte. Der Standort ist kein Zufall: In der Inneren Mongolei ist Windstrom günstig, und die kalten Winter senken die Kühlkosten. Eine Teilinbetriebnahme wird laut den Berichten für Ende 2027 oder Anfang 2028 angepeilt.
Der Ascend 950DT ist Huaweis nächste Beschleuniger-Generation, laut Herstellerangaben mit 144 GB schnellem HBM-Speicher und 4,0 TB/s Speicherbandbreite. Huaweis Roadmap sieht die Auslieferung ab dem vierten Quartal 2026 vor.
Der eigentlich interessante Punkt steckt im Kleingedruckten. DeepSeek will die Huawei-Chips laut Bloomberg ausschliesslich für Inferenz nutzen — also für den Alltagsbetrieb der fertigen Modelle, wenn du eine Frage stellst und eine Antwort bekommst. Fürs Training, den viel rechenintensiveren Schritt, in dem ein Modell überhaupt erst entsteht, bleibt DeepSeek bei Nvidia. Frühere Versuche, auf Huawei-Hardware zu trainieren, hat das Labor den Berichten zufolge wieder abgebrochen.
Das ist technisch nachvollziehbar: Inferenz lässt sich gut auf viele einzelne Chips verteilen. Training koppelt Tausende Chips eng zusammen und stellt damit ganz andere Anforderungen an Interconnect und Software-Stack — genau dort, wo Nvidias Vorsprung am grössten ist.
Konkret heisst das: Chinas KI-Stack wird von unten nach oben unabhängig. Die Schicht, die Nutzer täglich berühren, kann offenbar auf einheimischer Hardware laufen. Die Schicht, in der neue Fähigkeiten entstehen, noch nicht.
Selbst wenn die Bestellung so kommt: Huawei dürfte über ein Jahr für die Lieferung brauchen. Grund sind Produktionsgrenzen und vor allem der Mangel an High-Bandwidth-Memory — jenem schnellen Speicher, ohne den KI-Beschleuniger verhungern. Die 950DT-Produktion soll dieses Jahr im niedrigen sechsstelligen Bereich bleiben, und Huawei bedient daneben weitere Kunden. DeepSeek hat laut Bloomberg Peking gebeten, bei der Zuteilung nachzuhelfen. Chinas grösster Speicherhersteller CXMT fertigt zwar erstmals kleine Mengen HBM3E, liegt damit aber drei bis fünf Jahre hinter Samsung, SK Hynix und Micron zurück.
Für dich als Nutzerin oder Nutzer eines Schweizer Unternehmens, das offene DeepSeek-Modelle selbst hostet oder über einen Anbieter bezieht, ist das mittelfristig relevant: Die Rechenbasis hinter diesen Modellen verschiebt sich. Bis dahin gilt aber: Das ist eine Absichtserklärung aus anonymen Quellen, kein Vollzug.
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