Nvidia hat 3,5 Milliarden US-Dollar in Wandelanleihen von MediaTek gesteckt – nicht in Aktien. Dafür baut der taiwanische Chipdesigner künftig Nvidias NVLink Fusion und den neuen Speicher NVHBM in kundenspezifische KI-Chips ein. Nvidia sichert sich so den Steckplatz, während Big Tech eigene Beschleuniger entwickelt.
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Nvidia kauft keine MediaTek-Aktien, sondern eine Option darauf – und im Gegenzug die Gewissheit, dass auch fremde KI-Chips in Nvidia-Racks stecken.
Nvidia hat am 31. August 2026 3,5 Milliarden US-Dollar in den taiwanischen Chipdesigner MediaTek investiert – und dabei keine einzige Aktie gekauft. Laut der gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen fliesst das Geld in Wandelanleihen, also in Schuldpapiere, die sich später in Aktien tauschen lassen. Im Gegenzug übernimmt MediaTek Nvidias Plattform NVLink Fusion und bietet sie Kunden an, die eigene KI-Chips bauen wollen. Für Nvidia ist es gemäss Bloomberg das grösste Direktinvestment ausserhalb der USA.
Der Unterschied ist mehr als eine Formalie. Nvidia zahlt Cash, erhält aber vorerst weder Stimmrechte noch Zinsen: Die Anleihe läuft gemäss den Emissionsbedingungen fünf Jahre mit einem Kupon von null Prozent. Wandeln kann Nvidia erst zu einem Preis, der rund 15 Prozent über dem Schlusskurs vom Emissionstag liegt. Steigt MediaTek weiter, wird aus dem Kredit eine Beteiligung – steigt die Aktie nicht, bekommt Nvidia sein Geld zurück.
Die 3,5 Milliarden sind Teil einer Emission über 3,9 Milliarden US-Dollar, bei der Nvidia rund 90 Prozent zeichnet. Es ist laut MediaTek die grösste Auslandsanleihe, die je ein taiwanisches Unternehmen begeben hat; auch Google-Mutter Alphabet ist dabei, wie die taiwanische Nachrichtenagentur CNA meldet. Die MediaTek-Aktie legte am Tag danach zehn Prozent zu.
Technisch bekommt MediaTek das komplette Paket: das NVLink-Fusion-Chiplet, die Chip-zu-Chip-Verbindung NVLink-C2C und den neu vorgestellten Speicher NVHBM. Damit können MediaTek-Kunden – Cloud-Anbieter und KI-Labore – eigene Beschleuniger entwerfen, die trotzdem direkt in Nvidia-Racks passen. Genau das ist der Punkt: Amazon, Google, Microsoft, OpenAI und Anthropic arbeiten alle an eigenen Chips, um weniger von Nvidia-GPUs abhängig zu sein. Nvidia gibt dieses Feld ab – und kassiert weiterhin an Verbindung, Speicher und Rack-Architektur. «Nvidia ist ein KI-Infrastruktur-Unternehmen», sagte Nvidia-Manager Dion Harris gegenüber Journalisten. Reuters ordnet den Deal zugleich in die wachsende Debatte über zirkuläre Finanzierung in der KI-Branche ein: Nvidia finanziert Firmen, deren Produkte wieder im eigenen Ökosystem landen.
Für die Schweiz ist das keine ferne Börsengeschichte. Beim Supercomputer Alps des Nationalen Hochleistungsrechenzentrums CSCS in Lugano besteht der KI-Teil aus 2'688 Knoten mit Nvidia-Grace-Hopper-Prozessoren – die Rechenbasis unter anderem für Schweizer KI-Forschung und die Wetterprognosen von MeteoSchweiz. Wie offen Nvidias Ökosystem in den nächsten Jahren bleibt, entscheidet also mit darüber, wie frei Schweizer Betreiber ihre nächste Generation zusammenstellen können.
Das US-Verteidigungsministerium hat ChatGPT Mil und Grok for Government auf GenAI.mil aufgeschaltet – neben Googles Gemini. 1,7 von 3 Millionen Beschäftigten nutzen es.