Am 3. September standen drei grosse KI-Dienste über Stunden gleichzeitig still – mitten in der Schweizer Kernarbeitszeit. Eine gemeinsame Ursache hat bis heute niemand bestätigt.
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Drei Ausfälle sind durch offizielle Statusseiten belegt, ein vierter (Gemini) nur durch Drittanbieter-Messungen – und 99,4 Prozent Verfügbarkeit bedeuten rechnerisch rund 13 Stunden Stillstand pro Quartal.
Am Donnerstagnachmittag, dem 3. September 2026, standen innerhalb weniger Minuten gleich mehrere KI-Dienste still – mitten in der Schweizer Kernarbeitszeit. Zwischen etwa 15:30 und 19:00 Uhr CEST meldeten OpenAI, Anthropic und SpaceXAI – die Firma hinter Grok – parallel Störungen. Eine gemeinsame Ursache hat bis heute keine der Firmen bestätigt.
Den Anfang machte Anthropic: Um 15:26 Uhr CEST (13:26 UTC) meldete die Claude-Statusseite erhöhte Fehlerraten bei mehreren Modellen. Betroffen waren claude.ai, Claude Code, Claude Cowork und die Programmierschnittstelle. Anthropic stufte den Vorfall als «major» ein und erklärte ihn erst um 18:23 Uhr CEST für gelöst – mit dem Hinweis, die Beeinträchtigung habe um 16:16 UTC geendet, also um 18:16 Uhr CEST. Macht knapp drei Stunden. Gegenüber The Register sprach die Firma von einem «Infrastruktur-Problem», mehr sagte sie nicht.
Bei OpenAI ging es um 16:58 Uhr CEST (14:58 UTC) los: «Elevated errors across ChatGPT and Codex». Eine Sprecherin präzisierte gegenüber WIRED, ein Routing-Fehler – also ein Fehler bei der Verteilung von Anfragen auf die Server – habe ab etwa 7:43 Uhr pazifischer Zeit (16:43 Uhr CEST) dafür gesorgt, dass ChatGPT und Codex für einen Teil der Nutzer nicht erreichbar waren. Um 8:17 Uhr PT (17:17 Uhr CEST) griff die Lösung, offiziell geschlossen wurde der Vorfall um 18:55 Uhr CEST.
Grok war am längsten weg. Laut Statusseite begann der Ausfall um 15:30 Uhr CEST und betraf Grok auf X sowie die Android- und iOS-Apps; um 19:05 Uhr CEST lief der Verkehr wieder normal. Rund dreieinhalb Stunden.
Am Abend meldete sich SpaceXAI – und lieferte den einzigen konkreten Ursachen-Hinweis des Tages: «Wir entschuldigen uns für die Probleme, die du mit Grok hattest, nach einem Ausfall in unserem Memphis-Rechenzentrum heute Morgen.» Und dann der Satz, der aufhorchen lässt:
Wir möchten uns ebenfalls bei unseren betroffenen Compute-Partnern entschuldigen.
Welche Partner gemeint sind, sagte die Firma nicht. Bekannt ist: Anthropic mietet Rechenleistung bei Musks KI-Firma, die Partnerschaft wurde im Mai angekündigt. Ein Zusammenhang liegt also nahe – bestätigt hat ihn Anthropic aber weder noch dementiert.
Die naheliegende Alternativerklärung fällt derweil aus. Cloudflare, das alle drei Anbieter nutzen, widersprach ausdrücklich: keine relevanten Störungen. AWS, Google Cloud und Microsoft Azure meldeten am 3. September ebenfalls nichts Passendes auf ihren Statusseiten.
Gut sichtbar war dagegen der Dominoeffekt nach unten: Der Programmierassistent Cursor meldete eine eigene Störung – als direkte Folge der Ausfälle bei Grok und Claude.
Ars Technica zählt in seinem Titel vier betroffene Modelle und nimmt Google Gemini dazu. Belegt wird das mit Nutzermeldungen bei DownDetector, die kurz nach 17:00 Uhr CEST auf gut 400 stiegen, und einem vom Monitoring-Dienst StatusGator vermuteten Ausfall der Gemini-Programmierschnittstelle zwischen 16:45 und 17:15 Uhr CEST. The Register, Axios und Engadget nennen dagegen nur drei Dienste.
Wir haben die Primärquellen selbst geprüft: Weder das Google-Cloud-Statusdashboard noch das Workspace-Dashboard verzeichnet für den 3. September einen Vorfall. Google hat sich gegenüber WIRED nicht geäussert. Heisst konkret: Drei Ausfälle sind durch offizielle Statusseiten belegt, der vierte stützt sich allein auf Drittanbieter-Messungen. Wir lassen das deshalb offen, statt uns auf eine Zahl festzulegen.
Der eigentliche Punkt ist nicht dieser eine Nachmittag, sondern die Mathematik dahinter. Anthropic weist selbst 99,4 Prozent Verfügbarkeit über 90 Tage aus, OpenAI 99,63 Prozent für ChatGPT. 99,4 Prozent bedeuten rechnerisch rund 13 Stunden Ausfall pro Quartal. Claude hatte bereits am 24. August eine ähnliche dreistündige Teilstörung. Ausfälle sind kein Ausnahmefall – sie sind eingepreist.
Wenn dein Arbeitsablauf an einem einzigen Anbieter hängt, kostet ein solcher Nachmittag dich echtes Geld. Drei Dinge, die realistisch umsetzbar sind:
Und ganz ohne Technik: Wartelogik statt Panik. Automatisierte Abläufe sollten Fehler abfangen, ein paar Minuten warten und erneut anfragen, statt Aufträge stillschweigend zu verlieren. Am 3. September hätte das für die meisten gereicht.
Laut Bloomberg will DeepSeek mindestens 160'000 Huawei-Ascend-950DT-Beschleuniger in ein Rechenzentrum in der Inneren Mongolei stellen — es wäre der grösste bekannte Cluster aus chinesischen KI-Chips. Der Haken: Die Chips sollen nur Inferenz laufen lassen. Fürs Training bleibt DeepSeek bei Nvidia.