DeepSeek hat gleich dreifach geliefert: Das Flaggschiff V4-Pro verlässt mit Build 0813 die Testphase, die hauseigene Agenten-Software Harness erscheint unter MIT-Lizenz – und ab Sonntagabend steigen die API-Preise. Am stärksten trifft es ausgerechnet die Cache-Hits, von denen Coding-Agenten leben.
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Die Software ist gratis, der Betrieb wird teurer: Der Cache-Rabatt schrumpft von einem Hundertzwanzigstel auf ein Dreissigstel des Input-Preises. Für Schweizer Teams gilt der teure Peak-Tarif nur vormittags von 8 bis 12 Uhr – der ganze Nachmittag ist halb so teuer.
DeepSeek hat am 13. August 2026 drei Ankündigungen auf einmal gemacht: Das Flaggschiff-Modell verlässt mit dem Build V4-Pro-0813 die Testphase, die hauseigene Agenten-Software DeepSeek Harness erscheint als Open Source unter MIT-Lizenz, und ab dem 16. August um 18 Uhr Schweizer Zeit steigen die API-Preise deutlich. Teurer wird ausgerechnet das, was Coding-Agenten am häufigsten tun: denselben Code-Kontext immer wieder einlesen. Cache-Hits kosten künftig das Sechs- bis Zwölffache.
Das Modell selbst bleibt äusserlich, wie es war. Laut DeepSeeks API-Dokumentation liefert der Endpunkt `deepseek-v4-pro` jetzt den Build 0813 – Modellname, Parameterzahl und das Kontextfenster von einer Million Token sind unverändert, bestehende Integrationen laufen ohne Anpassung weiter. In App und Web erscheint das Modell als «Expert Mode».
Neu ist, wie fein man das Nachdenken dosieren kann. Der Reasoning Effort – also wie lange das Modell intern rechnet, bevor es antwortet – lässt sich in drei Stufen setzen: `low`, `high` und `max`. In seiner Ankündigung auf X empfiehlt DeepSeek die mittlere Stufe: `low` für einfache Aufgaben, `high` für den täglichen Agenten-Betrieb, `max` nur für komplexe Fälle. Dazu kommt native Unterstützung der OpenAI Responses API samt Codex-Anbindung.
Bei den Agenten-Benchmarks meldet DeepSeek grosse Sprünge gegenüber der Preview-Version: Terminal Bench 2.1 klettert von 72,1 auf 87,9 Punkte, DeepSWE von 12,8 auf 62,7.
Die unabhängige Messung bestätigt die Richtung, relativiert aber die Höhe. Im Artificial Analysis Intelligence Index steigt V4-Pro von 45 auf 53 Punkte und liegt damit gleichauf mit GLM-5.2. Vor ihm rangieren allerdings Muse Spark mit 57, Qwen 3.8 Max mit 58, Kimi K3 mit 60 – und an der Spitze Claude Opus 5 mit 63 Punkten.
Und ein Detail für alle, die DeepSeek wegen der offenen Gewichte schätzen: Die Gewichte des neuen Builds sind bislang nicht veröffentlicht. Auf Hugging Face liegt weiterhin die April-Preview, zuletzt geändert am 22. Juni.
Der eigentliche Paukenschlag ist die Software drumherum. DeepSeek Harness v0.1 erscheint als Developer Preview unter MIT-Lizenz und positioniert sich damit direkt gegen OpenAI Codex und Claude Code. Ein «Harness» ist das Gerüst, das aus einem Sprachmodell erst einen handlungsfähigen Agenten macht: Es reicht dem Modell Werkzeuge, verwaltet Sitzungen und hält lange Arbeitsläufe am Laufen.
Das Leitprinzip lautet «Everything is a plugin». Auf Basis des Cordis-Kernels sind sämtliche Bausteine austauschbar – Modelle, Tools, Skills, Sessions, Sandboxes, Speicher, Schleifen, Scheduling und sogar die Oberfläche. Wer eine Komponente ersetzen will, ändert die Konfiguration statt den Quellcode.
Der zweite Grundsatz ist Nachvollziehbarkeit. Harness schreibt alles, was das Modell sieht, in ein fortlaufendes Session-Log: System-Prompts, Reasoning, Tool-Aufrufe, Resultate, Subagenten. Auf demselben Event-Stream lassen sich Läufe fortsetzen, verzweigen, durchsuchen und noch einmal abspielen. Vier Betriebsmodi stehen bereit, darunter ein Minimal-Modus mit nur zwei Werkzeugen – einer Shell und einem Datei-Editor –, den DeepSeek für die eigenen Benchmark-Läufe nutzt. Gestartet wird per `npx` über eine lokale Weboberfläche. Geleitet wird das Projekt von Cui Tianyi, der laut South China Morning Post im März 2026 von Jane Street zu DeepSeek wechselte.
Die Resonanz kam sofort: Keine 14 Stunden nach der Veröffentlichung stand das GitHub-Repository bei über 48'000 Sternen.
Und dann die Rechnung. Ab dem 16. August, 16:00 UTC, wechselt DeepSeek auf Peak- und Off-Peak-Tarife. Off-Peak steigt der Input-Preis für V4-Pro von 0,435 auf 0,66 US-Dollar pro Million Token, der Output von 0,87 auf 1,98 Dollar. In den Peak-Stunden gilt jeweils das Doppelte: 1,32 und 3,96 Dollar.
Der Haken steckt beim Caching. Ein Cache-Hit – ein Textstück, das die API schon einmal verarbeitet hat und nicht neu berechnen muss – kostete bisher 0,003625 Dollar pro Million Token. Künftig sind es 0,022 Dollar off-peak und 0,044 in der Spitze. In DeepSeeks chinesischer Preistabelle, die die neuen Werte bereits ausweist, sind das exakt der sechs- respektive zwölffache Betrag. Gemessen am regulären Input-Preis schrumpft der Rabatt von einem Hundertzwanzigstel auf ein Dreissigstel.
Genau das trifft Agenten härter als Chatbots. Ein Coding-Agent liest dieselben Dateien in einem langen Lauf dutzendfach – bisher fast gratis, künftig zum vierfachen relativen Preis. Wie das Fachmagazin The Decoder einordnet, nimmt die Erhöhung die Preissenkung vom Mai teilweise zurück; Cache-Hits landen sogar über dem Niveau davor. Zeitlich passt das ins Bild: Laut einem Bloomberg-Bericht sammelt DeepSeek neues Kapital ein und bereitet einen Börsengang auf dem chinesischen Festland vor.
Für dich als Schweizer Nutzer ist die Zeitzone der interessanteste Teil. Die Peak-Fenster orientieren sich am chinesischen Arbeitstag und liegen bei 01:00 bis 04:00 und 06:00 bis 10:00 UTC. In Sommerzeit heisst das hierzulande: 03:00 bis 06:00 Uhr nachts und 08:00 bis 12:00 Uhr morgens.
Konkret bedeutet das: Der Schweizer Vormittag ist die teure Zeit. Ab Mittag bis tief in die Nacht gilt der halbe Tarif. Wer grössere Agenten-Läufe, Code-Migrationen oder Batch-Auswertungen plant, legt sie also besser auf den Nachmittag – und spart damit die Hälfte, ohne eine Zeile Code zu ändern.