Nvidia zahlt 6 Milliarden Dollar für die Software, mit der das Startup Poolside seine KI-Modelle baut, und macht 109 Mitarbeitenden ein Jobangebot. Gekauft wird die Firma aber nicht. Es ist der dritte Deal dieser Bauart – zusammen rund 27 Milliarden.
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Nvidia sichert sich Technologie, Know-how und Personal per Lizenz statt per Kauf. Laut Bloomberg stehen solche Konstruktionen bei Abgeordneten in der Kritik, weil sie darin ein Umgehen der Fusionskontrolle sehen.
Nvidia zahlt 6 Milliarden Dollar an das KI-Startup Poolside – nicht für die Firma, sondern für die Software, mit der Poolside seine Modelle baut. Zusätzlich sollen 109 Mitarbeitende ein Jobangebot von Nvidia bekommen, und der Chipkonzern investiert 1 Milliarde Dollar bei einer Pre-Money-Bewertung von 12 Milliarden. Die Zahlen stammen aus einem Brief an Poolsides Investoren, über den zuerst der Branchen-Newsletter Newcomer berichtete; Bloomberg bestätigte die Eckpunkte anschliessend über eigene Quellen. Nvidia und Poolside haben sich öffentlich nicht dazu geäussert.
Was Nvidia lizenziert, heisst bei Poolside Model Factory. Das Unternehmen beschrieb sie im Juli 2025 im eigenen Blog als internes Systemgerüst, um grosse Basismodelle schnell zu trainieren und mit ihnen zu experimentieren – von der Datenaufbereitung bis zur automatisierten Bewertung. Betrieben wurde sie auf einem Cluster mit 10'000 H200-Grafikchips von Nvidia. Damit baute Poolside seine Laguna-Modelle, offene Coding-Modelle mit frei verfügbaren Gewichten. Die Lizenz ist ausdrücklich nicht exklusiv: Poolside darf dieselbe Software weiter an andere vergeben.
Im Investorenbrief steht der entscheidende Satz wörtlich:
«This is not an acquisition and it is not an acquihire.» – also weder eine Übernahme noch ein Kauf, bei dem es vor allem um das Personal geht.
Formal stimmt das: Die Gründer bleiben, Poolside arbeitet eigenständig weiter, und die 6 Milliarden sollen bis Ende nächsten Jahres an die Investoren fliessen. Nur ist es nicht das erste Mal. Bei Groq zahlte Nvidia rund 20 Milliarden Dollar für eine nicht-exklusive Lizenz und holte den Grossteil der Belegschaft samt Gründern zu sich, wie Bloomberg schreibt; beim Hardware-Startup waren es gemäss CNBC über 900 Millionen für Technologie, CEO und Team. Drei Deals, rund 27 Milliarden Dollar – kein einziger klassischer Firmenkauf. Solche Konstruktionen stünden bei Abgeordneten in der Kritik, weil sie darin ein Umgehen der Fusionskontrolle sehen, schreibt Bloomberg. Warum eine Lizenz 6 Milliarden wert ist – halb so viel wie das gesamte verbleibende Unternehmen –, hat Nvidia nicht erklärt.
Warum Poolside aus dem Rennen aussteigt, steht im Brief selbst. Ende letzten Jahres habe man sechs Wochen Zeit gehabt, 2 Milliarden Dollar für einen Cluster mit 40'000 GB300-Chips aufzutreiben. «Wir haben es nicht rechtzeitig abgeschlossen, und wir haben den Cluster verloren», zitiert TNW aus dem Schreiben.
Für dich heisst das: Die Zahl der Anbieter, die offene Coding-Modelle auf Spitzenniveau bauen, wird nicht grösser. Poolside, mit Büros in den USA und in Paris, war einer davon. Wer Modelle braucht, die man selbst hosten und prüfen kann – für viele Schweizer KMU und Behörden ein handfestes Kriterium –, hat eine Option weniger. Nvidia baut mit Nemotron zwar eigene offene Modelle. Nur sitzt dann derselbe Konzern am Steuer, der laut Bloomberg ohnehin der dominierende Chiphersteller darunter ist.
Grosse Nvidia-Kunden wurden laut Bloomberg informiert: Server mit Nvidias KI-Chips werden in vielen Fällen über 15 Prozent teurer. Grund sind die explodierenden Speicherpreise.