ByteDance und Tencent haben laut Financial Times je rund 10'000 Nvidia-Beschleuniger erhalten. Diesmal bremst nicht Washington, sondern Peking – und schickt die Chips nach Hongkong, wo schlicht der Strom fehlt.
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Die Chip-Blockade zwischen den USA und China hat die Seiten gewechselt: Peking lenkt die von Washington freigegebenen Nvidia-Chips gezielt nach Hongkong, um die eigene Chipindustrie zu schützen.
Am 19. August 2026 berichtete die Financial Times unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen, dass ByteDance und Tencent in den vergangenen Wochen je rund 10'000 Nvidia-H200-Beschleuniger erhalten haben. Es wäre die erste nennenswerte Bewegung dieser Chips nach Festlandchina, seit die US-Regierung den Export im Dezember 2025 freigegeben hat. Offiziell bestätigt ist das nicht: In den vorliegenden Berichten äussern sich weder Nvidia noch ByteDance oder Tencent zu den Zahlen.
Bemerkenswert ist, wer diesmal blockiert. Washington hat den Konzernen laut FT den Kauf von bis zu 100'000 H200 pro Firma erlaubt. Peking dagegen will, dass der Grossteil davon gar nicht erst aufs Festland kommt – chinesische Regulatoren weisen die Käufer nach Hongkong, das ausserhalb der Zollgrenze des Festlands liegt. Der Grund ist Industriepolitik: Die heimischen Chiphersteller sollen den Markt behalten. Jeder einzelne Kauf braucht zudem eine Freigabe der Planungsbehörde NDRC. Zur Einordnung: Die gelieferten 10'000 Stück entsprechen gemäss Tom's Hardware rund 2,5 Prozent der über 400'000 H200, die ByteDance, Alibaba und Tencent im Januar zusammen kaufen durften.
Der Haken an der Hongkong-Lösung ist banal physikalisch. Ein H200 zieht bis zu 700 Watt, ein voll bestückter Server mit acht GPUs rund 10 Kilowatt. Ein Kontingent von 100'000 Chips entspricht damit etwa 12'500 Servern und rund 125 Megawatt IT-Last – Hongkongs gesamter Bestand von 47 Rechenzentren kommt laut Tom's Hardware auf etwa 581 Megawatt. Der geplante Rechenzentrums-Cluster in der Northern Metropolis soll erst 2029 ans Netz gehen. Nvidia sitzt derweil auf rund , die grösstenteils für chinesische Kunden gebaut wurden. Die neueren Blackwell-Chips bleiben für China weiterhin gesperrt.
Das ist mehr als Fernost-Politik – auch für dich. Denn Schweizer KI hängt genauso an Nvidia-Hardware: Der CSCS-Supercomputer «Alps» in Lugano arbeitet mit 10'752 Grace-Hopper-Modulen von Nvidia. Das offene Schweizer Sprachmodell Apertus von ETH Zürich, EPFL und CSCS entstand laut EPFL mit einer Investition von über 10 Millionen GPU-Stunden auf genau dieser Maschine. Rechenzeit ist hier wie dort der Engpass. Und wenn ein Lager von einer halben Million Beschleunigern politisch hin- und hergeschoben wird, ist der Markt dafür keine reine Technikfrage mehr.
Grosse Nvidia-Kunden wurden laut Bloomberg informiert: Server mit Nvidias KI-Chips werden in vielen Fällen über 15 Prozent teurer. Grund sind die explodierenden Speicherpreise.