Seit dem Start von GPT-5.6 Sol am 9. Juli liegt OpenAIs Umsatz-Run-Rate 35 Prozent höher, im Firmenkundengeschäft sogar 50 Prozent. Ramp-Daten zeigen: Beim Wachstumstempo hat OpenAI Anthropic wieder überholt. Beim absoluten Umsatz liegt Anthropic trotzdem klar vorne – beide Zahlen stimmen gleichzeitig.
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Wachstumsrate und Umsatzhöhe sind zwei verschiedene Dinge. OpenAI wächst gerade schneller, Anthropic verdient absolut fast doppelt so viel – wer nur eine der beiden Zahlen zitiert, erzählt die halbe Geschichte.
OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar hat der Belegschaft am Mittwoch Zahlen gezeigt, die den Konzern zurück ins Rennen gegen Anthropic melden: Seit dem Start der GPT-5.6-Reihe am 9. Juli liegt die Umsatz-Run-Rate im laufenden Quartal 35 Prozent höher, jene im Firmenkundengeschäft 50 Prozent – so berichtet es CNBC unter Berufung auf zwei mit den Aussagen vertraute Personen. Die Nummer eins ist OpenAI damit trotzdem nicht. Und genau da wird es interessant.
Die Run-Rate ist der aktuelle Umsatz auf ein Jahr hochgerechnet. Friars Folien nannten eine zweite Zahl: 20 Millionen wöchentlich aktive Nutzer für OpenAIs Coding- und Arbeitsangebot. GPT-5.6 Sol, Terra und Luna kamen laut OpenAI am 9. Juli in die allgemeine Verfügbarkeit.
Der Druck dahinter ist real: OpenAI werde 2027 börsenkotiert sein, sagte Friar, womöglich früher. Eine Bewertung von 852 Milliarden Dollar will belegt sein – und Anthropic könnte laut Friar schon im September an die Börse gehen, in einer Grössenordnung, die den SpaceX-Rekord übertreffen könnte.
Die meisten Meldungen werfen hier zwei Dinge durcheinander: Wachstumstempo und absolute Höhe.
Anthropic liegt also absolut deutlich vorne. OpenAI wächst gerade schneller. Beides stimmt.
Die Wachstumsthese stützt sich auf Daten von Ramp, einem Anbieter für Firmenkarten und Ausgabenverwaltung. Dessen Zahlen zeigen laut TechCrunch für das laufende dritte Quartal ein stärkeres Ausgabenwachstum bei OpenAI als bei Anthropic – 82 gegenüber 76 Prozent zum Vorquartal.
Bei der Verbreitung bleibt Anthropic vorn: 43,5 Prozent der erfassten Firmen zahlten im Juli für Anthropic, 39,7 Prozent für OpenAI. Auf Token-Ebene dreht sich das Bild. GPT-5.6 Sol machte 25 Prozent aller OpenAI-Tokens aus, Anthropics Spitzenmodell Fable 5 nur 6 Prozent der Anthropic-Tokens – bei rund doppeltem Preis pro Million Tokens, wie der Ramp AI Index ausweist. Dass das teuerste Modell kaum gekauft wird, hatten wir bereits beschrieben.
Der Vorbehalt gehört dazu: Ramp misst Kartenausgaben von über 70'000 US-Firmen, überwiegend Tech, Startups und Mittelstand. Grosskonzerne mit anderen Abrechnungswegen fehlen, absolute Dollarbeträge nennt Ramp nicht. Für Schweizer Firmen ist das ein Indikator, keine Landkarte. Übertragbar ist die Mechanik: Preis pro Token schlägt die letzten Benchmark-Punkte.
OpenAIs nächstes Modell heisst Astra und soll in den kommenden Wochen kommen – ein Datum gibt es nicht. Anfang August pausierte OpenAI Teile der Entwicklung, weil es bei den Cyberfähigkeiten die höchste Risikostufe des eigenen Sicherheitsrahmens nicht ausschliessen kann. Über ein Fable 5.1 als Antwort von Anthropic wird spekuliert, bestätigt ist davon nichts.
Für dich heisst das: Der Vorsprung wechselt im Takt der Modellreleases. Wer Budgets auf ein Lab festnagelt, wettet auf eine Momentaufnahme.
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