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Anthropic will grösser an die Börse als SpaceX

Anthropic rechnet damit, mit seinem Börsengang das Rekordvolumen von SpaceX zu erreichen oder zu übertreffen – ein öffentliches Filing könnte schon Ende August kommen. Die kursierende Bewertung von zwei Billionen Dollar stammt allerdings von Investoren, nicht vom Unternehmen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
21. AUGUST 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration einer zeremoniellen Eröffnungsglocke über einem Rednerpult mit gerolltem Dokument, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer zeremoniellen Eröffnungsglocke über einem Rednerpult mit gerolltem Dokument, kinewsletter.ch Stil (Dark Mode)
INHALT
0186 Milliarden als Messlatte02Die zwei Billionen kommen nicht von Anthropic0365 Milliarden Umsatz, 42 Milliarden Verlust04Zürich sitzt näher dran als gedacht05Worauf du bis Ende August achtest
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0186 Milliarden als Messlatte02Die zwei Billionen kommen nicht von Anthropic0365 Milliarden Umsatz, 42 Milliarden Verlust04Zürich sitzt näher dran als gedacht05Worauf du bis Ende August achtest
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Bestätigt ist bislang nur das vertrauliche S-1 vom 1. Juni. Alles Weitere – Volumen, Bewertung, Oktober-Termin – sind Erwartungen aus dem Markt. Für Schweizer Anleger ist es trotzdem relevant: Über Indexprodukte landet ein Nasdaq-Neuzugang dieser Grösse fast automatisch im Pensionskassen-Portfolio.

Anthropic rechnet damit, mit seinem geplanten Börsengang das grösste Emissionsvolumen der Geschichte zu erreichen oder zu übertreffen – den Rekord von SpaceX. Das berichtete Bloomberg am 20. August 2026 unter Berufung auf Personen, die mit den Vorbereitungen vertraut sind. Ein öffentliches Filing könnte bereits Ende dieses Monats folgen. Offiziell bestätigt ist bisher nur der erste Schritt: Anthropic hat am 1. Juni 2026 ein vertrauliches S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht – ein Registrierungsdokument, das die Behörde prüft, bevor ein Unternehmen Aktien an die Öffentlichkeit verkaufen darf.

86 Milliarden als Messlatte

Um die Dimension einzuordnen: SpaceX sammelte im Juni 2026 beim Börsengang 75 Milliarden Dollar ein. Nachdem die Banken ihre Mehrzuteilungsoption gezogen hatten – ein Zusatzkontingent an Aktien, das die Konsortialbanken nachträglich platzieren dürfen –, waren es laut CNBC insgesamt rund 86 Milliarden Dollar. Beim Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie entsprach das einer Bewertung von etwa 1,77 Billionen Dollar. Auf diese Grössenordnung oder darüber arbeitet Anthropic laut Bloomberg hin. Begleitet wird die Emission von Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan, weitere Banken könnten dazustossen.

Ein kurioses Detail am Rande: Anthropic kauft Rechenkapazität bei SpaceX ein – ein Vertrag, der über drei Jahre einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen kann. Anthropic würde also den Börsengang eines eigenen Lieferanten überbieten.

Die zwei Billionen kommen nicht von Anthropic

Seit Mitte August kursiert eine zweite Zahl: zwei Billionen Dollar Bewertung, Termin Oktober. Entscheidend ist, wer das sagt. Die Financial Times zitierte am 13. August Investoren mit dieser Erwartung – nicht das Unternehmen. Fortune, das den FT-Bericht aufgriff, hielt ausdrücklich fest, dass die Bewertung intern noch nicht festgelegt sei. Und Bloomberg berichtet, dass Finanzchef Krishna Rao in Investoren-Briefings genau diese Frage offengelassen hat.

Die zwei Billionen sind eine Markterwartung, kein Unternehmensziel. Bis zum öffentlichen Filing steht keine Zahl fest.

Die Rechnung dahinter stützt sich auf Prognosen: Investoren erwarten laut FT bis Jahresende eine annualisierte Umsatzrate von 100 bis 120 Milliarden Dollar, TNW berichtet von internen Projektionen von 190 bis 200 Milliarden Dollar Umsatz für 2028. Beides sind Schätzungen, keine testierten Abschlüsse.

65 Milliarden Umsatz, 42 Milliarden Verlust

Was belegt ist, ist trotzdem beachtlich. Anthropics annualisierte Umsatzrate – also der aufs Jahr hochgerechnete laufende Umsatz – lag Ende Juli bei über 65 Milliarden Dollar. Im Mai hatte das Unternehmen noch 47 Milliarden gemeldet. Im zweiten Quartal setzte Anthropic vorläufig über 11,5 Milliarden Dollar um, gegenüber 787 Millionen im Vorjahresquartal.

Die andere Hälfte der Bilanz ist weniger glamourös:

  • Nettoverlust 2025: knapp 42 Milliarden Dollar – rund fünfmal so viel wie die 8,3 Milliarden im Jahr davor
  • Bereinigtes operatives Ergebnis im zweiten Quartal: erstmals positiv
  • Letzte Privatrunde im Mai: 65 Milliarden Dollar frisches Kapital bei 965 Milliarden Bewertung

An der Börse wird also nicht die Vergangenheit bewertet, sondern die Frage, ob das Wachstum die Verluste einholt. Zum Vergleich: OpenAI hat ebenfalls vertraulich eingereicht, das Listing aber auf 2027 verschoben.

Zürich sitzt näher dran als gedacht

Für dich als Schweizer Leser ist das kein reines US-Thema. Anthropic hat 2025 ein Büro in Zürich eröffnet – laut inside-it.ch den dritten Standort des Unternehmens –, geleitet von Neil Houlsby, der von Google DeepMind kam. Gearbeitet wird dort am Training grosser Sprachmodelle, mit Schwerpunkt auf multimodalen Fähigkeiten für Claude. Die Löhne: 280'000 bis 680'000 Franken pro Jahr für KI-Ingenieure und -Forscher, während der Schweizer Durchschnitt bei rund 113'600 Franken liegt. Im Verwaltungsrat sitzt seit April Vas Narasimhan, CEO des Basler Pharmakonzerns Novartis, berufen vom unabhängigen Long-Term Benefit Trust des Unternehmens.

Und dann ist da dein Vorsorgegeld. Schweizer Pensionskassen halten laut dem «Pensionskassen-Jahrbuch 2025» des Beratungsunternehmens PPCMetrics rund 21 Prozent ihres Gesamtvermögens in globalen Aktien, mit Nvidia, Microsoft und Apple als grössten ausländischen Einzelpositionen. Ein Nasdaq-Neuzugang dieser Grösse landet über Indexprodukte fast automatisch in Schweizer Portfolios – ohne dass jemand aktiv zugreifen müsste.

Ein Grössenvergleich zum Schluss: Der grösste Schweizer Börsengang der letzten Jahre war Galderma im März 2024 mit knapp 2,3 Milliarden Franken Emissionsvolumen – damals laut EY der weltweit grösste IPO des Quartals. Ein 86-Milliarden-Dollar-Börsengang wäre rund das 37-Fache davon.

Worauf du bis Ende August achtest

Der nächste harte Datenpunkt ist das öffentliche Filing. Erst dann werden geprüfte Zahlen, Aktienstruktur und Preisspanne sichtbar – inklusive der Frage, ob Dario Amodei und seine Mitgründer Aktien mit Mehrfachstimmrecht erhalten, wie derzeit geprüft wird. Bis dahin gilt: Alles jenseits des eingereichten S-1 ist Erwartung, nicht Fakt.

Quellen

Anthropic reicht vertrauliches S-1 bei der SEC ein – Anthropic Newsroom↗ EXTERNER LINKAnthropic Expects to Match SpaceX's Record IPO Size or Top It – Bloomberg↗ EXTERNER LINKAnthropic's IPO could top SpaceX's record raise – Quartz↗ EXTERNER LINKAnthropic IPO could match SpaceX record – The Next Web↗ EXTERNER LINKAnthropic could seek a $2 trillion valuation in an October IPO – Fortune↗ EXTERNER LINKSpaceX IPO: Banken ziehen die Mehrzuteilungsoption – CNBC↗ EXTERNER LINKSpaceX IPO prices at $135 a share – CNBC↗ EXTERNER LINKVas Narasimhan joins the Anthropic board – Anthropic Newsroom↗ EXTERNER LINKAnthropic lockt mit Spitzenlöhnen in die Schweiz – inside-it.ch↗ EXTERNER LINKSchweizer Pensionskassen gehen laut Studie Klumpenrisiken ein – cash.ch↗ EXTERNER LINKIPOs in Q1 2024: Galderma als weltweit grösster Börsengang des Quartals – EY Schweiz↗ EXTERNER LINKAnthropic baut in Zürich ein KI-Forschungsteam auf – Switzerland Global Enterprise↗ EXTERNER LINK
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