NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivÜber uns
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN FREITAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·KI-BUSINESS

OpenAI-Studie: Fast jede zweite Fachanfrage gilt einem fremden Beruf

OpenAI hat über 800'000 arbeitsbezogene ChatGPT-Nachrichten ausgewertet. 43,5 Prozent der berufsspezifischen Anfragen betreffen Aufgaben, die eigentlich zu einem anderen Beruf gehören. In kleinen Firmen ist der Effekt am stärksten – was die Studie über Qualität und Produktivität aussagt, ist allerdings: nichts.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
28. JULI 2026
5 MIN. LESEZEIT
Illustration einer Garderobenleiste mit Arbeitsjacken, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Garderobenleiste mit Arbeitsjacken, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Der Marketer, der die Website repariert02Wie aus 800'000 Nachrichten eine Zahl wird03Kleine Teams greifen häufiger quer04Was die Studie ausdrücklich nicht zeigt05Für Schweizer KMU ist das eine Gratwanderung
INHALT
01Der Marketer, der die Website repariert02Wie aus 800'000 Nachrichten eine Zahl wird03Kleine Teams greifen häufiger quer04Was die Studie ausdrücklich nicht zeigt05Für Schweizer KMU ist das eine Gratwanderung
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

ChatGPT lässt Berufsgrenzen durchlässiger werden – aber die Studie misst nur, wer was versucht, nicht wie gut das Ergebnis ist.

OpenAI hat am 27. Juli 2026 eine Auswertung von über 800'000 arbeitsbezogenen ChatGPT-Nachrichten von US-Nutzern veröffentlicht. Das Ergebnis: 16,8 Prozent aller arbeitsbezogenen Nachrichten – und 43,5 Prozent der berufsspezifischen – betreffen Aufgaben, die historisch einem anderen Beruf zugeordnet sind. OpenAI nennt dieses Muster «task crossover» und liest darin ein Frühsignal: Berufsbilder verschieben sich offenbar, lange bevor jemand die Stellenbeschreibung anpasst.

Der Marketer, der die Website repariert

Die Beispiele aus dem Bericht sind unspektakulär und genau deshalb interessant. Ein Verkäufer wertet einen Kundendatensatz selbst aus, statt ihn an die Analystin weiterzureichen. Eine Marketing-Fachfrau behebt ein Website-Problem, ohne auf den Entwickler zu warten. Eine Kleinunternehmerin schreibt Werbetexte, prüft einen Vertrag oder rechnet eine Kalkulation durch.

Wie oft das passiert, hängt stark vom Beruf ab. Rechnet man die berufsübergreifenden Standardaufgaben heraus, betreffen laut OpenAI Aufgaben eines anderen Berufs:

  • 77 % der Anfragen aus dem Kundendienst
  • 75 % von Designerinnen und Designern
  • 69 % aus dem Personalwesen
  • 56 % aus dem Rechtsbereich
  • 53 % aus dem Marketing

Die Bandbreite über alle acht Berufsgruppen reicht von 28 bis 77 Prozent; Ingenieurinnen und Ingenieure bilden das untere Ende – dafür reist ihre Arbeit am weitesten: Engineering-Aufgaben machen 7,4 Prozent der Nachrichten aus allen übrigen Berufsgruppen aus. Design ist der Gegenpol: Designer holen sich viel von aussen (35,2 Prozent ihrer Nachrichten), aber Design-Aufgaben tauchen bei anderen nur zu 1,7 Prozent auf. Marketing schlägt als einziger Bereich in beide Richtungen aus.

Wie aus 800'000 Nachrichten eine Zahl wird

Warum die beiden Prozentwerte so weit auseinanderliegen, erklärt die Methodik. OpenAI ordnet jede Nachricht einer Tätigkeit aus *O\NET** zu – der Berufsdatenbank des US-Arbeitsministeriums – und vergleicht sie mit dem angegebenen Beruf der Person.

Der grösste Teil landet dabei in einer dritten Kategorie: 61,5 Prozent aller arbeitsbezogenen Nachrichten sind «generisch» – E-Mails schreiben, zusammenfassen, Termine planen. Das gibt es in jedem Job und sagt nichts über Berufsgrenzen aus. Erst ohne sie bleiben 38,5 Prozent berufsspezifische Nachrichten übrig, und darin steckt der Anteil von 43,5 Prozent. Die Berufsangabe stammt aus dem ChatGPT-Business-Konto, ausgewertet wurden die individuellen ChatGPT-Konten der Nutzenden.

Kleine Teams greifen häufiger quer

Die Firmengrösse macht einen messbaren Unterschied. Bei Nutzenden mit durchschnittlichem Nachrichtenvolumen sinkt der Anteil berufsfremder Aufgaben von 18,9 Prozent in Arbeitsbereichen mit 2 bis 5 Plätzen auf 16,3 Prozent bei über 100 Plätzen. Rund 2,5 Prozentpunkte Unterschied – nicht dramatisch, aber durchgehend. Bei Vielnutzern im obersten Viertel zeigt sich das Gefälle allerdings nicht mehr.

OpenAIs Erklärung ist plausibel: Wer keine Spezialistin im Nebenbüro hat, löst das Problem selbst. Oder wie es im Bericht heisst: KI sei besonders nützlich als Generalisten-Werkzeug dort, wo Spezialisten-Ressourcen knapp sind.

Was die Studie ausdrücklich nicht zeigt

Hier lohnt sich das Kleingedruckte, und OpenAI ist darin erfreulich deutlich. Die Auswertung sagt nicht, ob KI neue bereichsübergreifende Aufgaben schafft oder Beschäftigte nur bei ohnehin bestehenden Pflichten unterstützt. Sie misst weder Produktivität noch Ergebnisqualität noch Auswirkungen auf Einstellungsentscheide. Im Methodikteil steht wörtlich, man beobachte nicht, ob das Ergebnis überhaupt verwendet wurde, wie gut es war, wie viel Zeit es sparte – oder ob eine Fachperson es je gegengelesen hat.

Dazu kommt die Perspektive: Es ist eine Selbstauswertung des Anbieters, nicht peer-reviewed, beschränkt auf US-Nutzende und ausdrücklich nicht repräsentativ für die amerikanische Erwerbsbevölkerung. Ein Unternehmen, dessen Geschäft von der Erzählung «KI erweitert deine Möglichkeiten» lebt, liefert hier die Zahlen zu genau dieser Erzählung. Das entwertet die Daten nicht – 800'000 klassifizierte Nachrichten sind ein Blickwinkel, den keine Behörde hat –, aber es gehört mitgelesen. Eine im Juni erschienene Arbeit von Harvard und Perplexity zu KI-Agenten kommt zu einem ähnlichen Befund über Berufsgrenzen hinweg – auch sie mit Beteiligung des Anbieters, dessen Produkt untersucht wurde.

Für Schweizer KMU ist das eine Gratwanderung

Ein Effekt, der in kleinen Organisationen am stärksten auftritt, trifft hierzulande auf idealen Boden: Laut Bundesamt für Statistik sind 99,7 Prozent der Schweizer Unternehmen KMU, sie beschäftigen mehr als zwei Drittel aller Angestellten der Marktwirtschaft. Und KI ist längst im Alltag – in einer EY-Umfrage unter 604 Mitarbeitenden, die das SECO-KMU-Portal im Juli aufgriff, gaben 89 Prozent an, beruflich KI-Lösungen zu nutzen.

Für dich als Mitarbeitende oder Inhaber eines kleinen Betriebs heisst das: Die Aufgabe, für die du bisher extern eingekauft oder wochenlang gewartet hast, ist plötzlich am eigenen Bildschirm machbar. Das ist der attraktive Teil.

Der Haken liegt auf derselben Seite der Medaille. Einen Vertrag ohne juristisches Wissen «prüfen» zu lassen heisst vor allem: Du kannst nicht beurteilen, was das Modell übersehen hat – und im Zweifel merkt es niemand, bis es teuer wird. Dazu kommen die unangenehmen Fragen: Wer haftet, wenn die selbst erstellte Datenschutzerklärung nicht hält? Wer verantwortet die Lohnabrechnung, die niemand aus dem HR gesehen hat?

OpenAI zieht im Fazit denselben Schluss: Beschäftigte bräuchten Schulung, um KI-gestützte Arbeit ausserhalb ihrer Expertise beurteilen zu können, Organisationen klare Prozesse für Prüfung und Verantwortlichkeit. Fachleute blieben für Urteil und Kontrolle auf Expertenniveau entscheidend. Für einen Fünf-Personen-Betrieb ist das keine Kleinigkeit – aber es ist die Frage, die sich stellt, bevor die erste fachfremde Aufgabe im Kundenprojekt landet.

Quellen

OpenAI: How AI is expanding what people do at work↗ EXTERNER LINKOpenAI: Work at the Frontier – How AI is Expanding What People Do at Work (Report)↗ EXTERNER LINKAxios: Workers are crossing job boundaries with AI, OpenAI research shows↗ EXTERNER LINKThe Decoder: OpenAI says more workers are using ChatGPT to do other people's jobs↗ EXTERNER LINKTech Times: ChatGPT Scrambles Specialization↗ EXTERNER LINKIBTimes: OpenAI Found That AI Is Blurring Career Boundaries↗ EXTERNER LINKSECO KMU-Portal: KI setzt sich in Schweizer Unternehmen zunehmend durch↗ EXTERNER LINKBundesamt für Statistik: Kleine und mittlere Unternehmen↗ EXTERNER LINK
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Freitag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Illustration elektroblauer Speichermodule vor einem fast leergeräumten Lagerregal, kinewsletter.ch Stil
Illustration elektroblauer Speichermodule vor einem fast leergeräumten Lagerregal, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS·7. AUGUST 2026

KI frisst den Arbeitsspeicher – PC-Riesen greifen zu China-Chips

HP, Asus und Acer verbauen laut Nikkei Asia erstmals chinesischen Arbeitsspeicher – nicht weil er billiger wäre, sondern weil KI-Rechenzentren den Markt leerkaufen. In der Schweiz sind Notebooks laut Galaxus binnen zwölf Monaten um 30 Prozent teurer geworden.

Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

«Wir können keine Daten trinken» – Indien klagt gegen Google

Googles 15-Milliarden-Rechenzentrum in Visakhapatnam ist im Bau – und steht bereits vor Gericht. Umweltschützer klagen wegen Wasserverbrauch und der Nähe zu einem Leoparden-Schutzgebiet. Der Widerstand gegen KI-Rechenzentren ist global geworden.

Illustration einer grossen elektroblauen Eröffnungsglocke auf einem Börsenparkett neben einem vierbeinigen Roboter und aufgerollten Prospekten, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer grossen elektroblauen Eröffnungsglocke auf einem Börsenparkett neben einem vierbeinigen Roboter und aufgerollten Prospekten, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS·7. AUGUST 2026

Unitree geht an die Börse – und schreibt schwarze Zahlen

Der chinesische Roboterhersteller Unitree bepreist seinen Börsengang in Shanghai mit rund 9 Milliarden Dollar. Es ist der erste Humanoiden-Hersteller mit Serienauslieferung und Gewinn, der einen Kurszettel bekommt – und ein harter Realitätscheck für die Bewertungen der ganzen Branche.

Illustration eines Silizium-Wafers mit elektroblauen Leiterbahnen auf einer Laborwerkbank mit Pinzette und Prüfnadel, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Silizium-Wafers mit elektroblauen Leiterbahnen auf einer Laborwerkbank mit Pinzette und Prüfnadel, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS·7. AUGUST 2026

Anthropic baut eigene KI-Chips – und zahlt bis 485'000 Dollar

Anthropic baut ein eigenes Team für kundenspezifische KI-Chips auf und sucht Chipdesigner für bis zu 485'000 Dollar im Jahr. Hardware und Modelle sollen künftig gemeinsam entworfen werden, damit Claude schneller und günstiger läuft. Das eigene Silizium ergänzt die bestehenden Deals mit AWS, Google, Nvidia und AMD – ersetzen soll es sie nicht.

Illustration eines elektroblauen Roboters mit zwei Greifarmen, der ein Netzwerkkabel in einen offenen Serverschrank steckt, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines elektroblauen Roboters mit zwei Greifarmen, der ein Netzwerkkabel in einen offenen Serverschrank steckt, kinewsletter.ch Stil
KI IN DER SCHWEIZ·6. AUGUST 2026

Zürcher Startup Exclaim Robotics holt 5 Millionen für Rechenzentrums-Roboter

Das Zürcher Startup Exclaim Robotics holt 4,95 Millionen US-Dollar, um autonome Reparatur-Roboter für KI-Rechenzentren zu bauen. Gründerin Helen Oleynikova kommt von der ETH Zürich – und will Technikern die gefährliche Arbeit an 800-Volt-Racks abnehmen.

Illustration einer elektroblauen Balkenwaage mit Papierstapel und Arbeitshandschuhen auf den Schalen, daneben ein Globus, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Balkenwaage mit Papierstapel und Arbeitshandschuhen auf den Schalen, daneben ein Globus, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS·6. AUGUST 2026

Weltbank: KI-Jobrisiko in der Schweiz dreimal höher

Die Weltbank hat den World Development Report 2026 vorgelegt: In Hochlohnländern wie der Schweiz sind 14,2 Prozent der Jobs durch generative KI automatisierungsgefährdet, in ärmeren Ländern nur 4,5 Prozent. Für den globalen Süden ist KI laut dem Bericht vor allem eines: eine Rettungsleine.

Mehr aus KI-Business →