Laut der New York Times beriet die US-Regierung wochenlang über Sanktionen, eine Handels-Blacklist und sogar ein Cloud-Geschäftsverbot gegen chinesische Open-Weight-Anbieter. OpenAI und Anthropic sollen Restriktionen befürwortet haben – Nvidia, Microsoft, Google und Meta liefen dagegen Sturm. Vorerst setzt Washington nun auf Wettbewerbsfähigkeit statt Verbote.
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Washington hat harte Massnahmen gegen chinesische Open-Weight-Modelle laut NYT vorerst verworfen – entschieden ist aber nichts. Wer auf Kimi, GLM oder Qwen baut, sollte das regulatorische Risiko auf dem Radar behalten: Vor Xi Jinpings US-Besuch im September wird eine Klärung erwartet.
Die US-Regierung hat laut einem Bericht der New York Times wochenlang über harte Massnahmen gegen chinesische Open-Weight-Modelle beraten – von Sanktionen über eine Handels-Blacklist bis zu einem Verbot für US-Cloud-Anbieter, mit den chinesischen Firmen Geschäfte zu machen. Nach heftigem Widerstand von Nvidia, Microsoft, Google und Meta ist das Weisse Haus vorerst zurückgerudert: Statt Verboten steht nun die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Modelle im Fokus. Die Zeitung stützt sich auf mehr als ein halbes Dutzend aktuelle und frühere Regierungs- und Industrievertreter – offiziell bestätigt ist nichts davon.
Laut NYT diskutierten Stabschefin Susie Wiles, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick, ob Washington deutlich aggressiver in den Open-Source-Markt eingreifen soll. Fünf der Quellen nennen konkrete Optionen: Sanktionen, eine schwarze Liste für chinesische Anbieter offener Modelle, ein Cloud-Geschäftsverbot – und die Frage, welche Modelle US-Bundesbehörden überhaupt noch nutzen dürfen. Auslöser war die Welle starker chinesischer Modelle rund um Kimi K3, dessen Hersteller Moonshot das Weisse Haus kürzlich beschuldigte, Anthropics Modell Fable «destilliert» zu haben.
Pikant ist die Frontlinie: OpenAI und Anthropic, die ihre Spitzenmodelle geschlossen halten, sollen Restriktionen unter Verweis auf die nationale Sicherheit befürwortet haben. Bei Nvidia, Microsoft, Google und Meta wuchs laut dem Bericht dagegen die Sorge, die beiden Börsengang-Kandidaten wollten sich per Regierungsentscheid ihre Marktposition sichern. Die Konzerne organisierten den Widerstand über private Nachrichten und Videocalls; Nvidia-Chef Jensen Huang schrieb am 24. Juli seinen allerersten eigenen X-Post, um offene Modelle zu verteidigen, und Nvidias Ende Juli mit 37 Mitgliedern lancierte Sicherheits-Allianz zählt laut dem Bericht inzwischen über 230 Mitglieder.
Ein «Käfigkampf um die Zukunft der KI-Industrie» sei das, sagt der frühere Handelsministeriums-Beamte Christopher Padilla der NYT – es gehe vor allem um Geld und Marktmacht, das Sicherheitsargument sei angeheftet.
OpenAI erklärte der Zeitung, offene und geschlossene Modelle hätten beide ihre Rolle; Anthropic wollte sich nicht äussern. Transparenz gehört dazu: Die NYT führt einen laufenden Urheberrechtsprozess gegen OpenAI und Microsoft.
Wie nah die offenen Modelle der Spitze inzwischen sind, zeigt ein am selben Tag publizierter Report der Non-Profit-Organisation SaferAI, über den TechCrunch berichtet: Z.ais offenes GLM-5.2 liegt bei Cyber- und Bio-Fähigkeiten nur wenige Monate hinter GPT-5.5 und Claude Opus 4.7 – verweigerte im Test aber keine einzige offensive Cyber- oder Biologie-Aufgabe, während Claude Opus 4.7 so konsequent ablehnte, dass ein ganzer Benchmark nicht durchführbar war. Der Kern des Problems: Wer die Gewichte eines offenen Modells herunterlädt, kann sämtliche Schutzmassnahmen entfernen. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Innovations- und Missbrauchspotenzial macht die Debatte in Washington so verfahren.
Für Schweizer Firmen ist das kein fernes Polit-Theater. Chinesische Open-Weight-Modelle wie Kimi K3, DeepSeek oder GLM sind wegen tiefer Kosten längst in hiesigen Projekten angekommen, und mit Qwen3.8-Max steht diese Woche das nächste offene Frontier-Modell vor der Tür. Eine US-Blacklist oder ein Cloud-Verbot würde die Verfügbarkeit über amerikanische Hyperscaler treffen – und Compliance-Abklärungen auch in Europa zur Pflicht machen. Immerhin: Mit Apertus existiert eine offene Alternative aus Schweizer Forschung. Branchenvertreter erwarten laut NYT keine harten Massnahmen vor Xi Jinpings US-Besuch im September – bis dahin bleibt die Verbotsfrage offiziell nur aufgeschoben.
Gouverneur Greg Abbott hat am Montag einen Genehmigungsstopp für neue Rechenzentren verhängt: Die Strommarktaufsicht PUCT und Netzbetreiber ERCOT müssen jedes Projekt auditieren, bevor es ans Netz darf. Offenzulegen sind Steuervergünstigungen, Strom- und Wasserverbrauch, Kühlung und Eigentümerschaft. Nach New York bremst damit der zweite US-Bundesstaat den KI-Bauboom.