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Nvidia soll mit 250 Milliarden für OpenAIs Ohio-Campus bürgen

Nvidia verhandelt laut Wall Street Journal über eine Finanzgarantie von bis zu 250 Milliarden Dollar, damit OpenAI einen 10-Gigawatt-Rechenzentrumscampus in Ohio mieten kann. Unterschrieben ist nichts – und die Konstruktion wirft die Frage auf, warum OpenAI das Geld nicht selbst aufnehmen kann.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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28. JULI 2026
5 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Kuehlturms mit Strommast und Bauplaenen, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Kuehlturms mit Strommast und Bauplaenen, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Kein Rating, kein Kredit02Vom Uranwerk zur Rechenfabrik0371-mal grösser als alles bisher04Geld, das im Kreis läuft05Ohio ist nicht Georgia06Warum dich das auch in Zürich betrifft
INHALT
01Kein Rating, kein Kredit02Vom Uranwerk zur Rechenfabrik0371-mal grösser als alles bisher04Geld, das im Kreis läuft05Ohio ist nicht Georgia06Warum dich das auch in Zürich betrifft
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Wenn der Chiplieferant für die Miete seines Kunden bürgen muss, ist das kein Vertrauensbeweis – es ist ein Preisschild für das Risiko, das sonst niemand tragen will.

Nvidia verhandelt mit OpenAI über eine Finanzgarantie von bis zu 250 Milliarden Dollar, damit OpenAI einen 10-Gigawatt-Rechenzentrumscampus im Süden von Ohio mieten kann. Das berichtete das Wall Street Journal am 26. Juli 2026 unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen; CNBC hat die Gespräche am 27. Juli über eine eigene Quelle bestätigt. Gebaut wird die Anlage von SB Energy, der Energietochter von SoftBank, auf einem ehemaligen Uran-Anreicherungsgelände in Pike County. Unterschrieben ist nichts: Die Konditionen sind offen, und der Deal kann laut allen Berichten noch platzen. Nvidia wollte sich gegenüber CNBC nicht äussern, OpenAI reagierte auf Anfragen von Al Jazeera nicht.

Kein Rating, kein Kredit

Der Grund für die Konstruktion ist unspektakulär und genau deshalb interessant: OpenAI hat kein Investment-Grade-Rating. Das Unternehmen ist nicht profitabel, und ohne solide Bonitätsnote leihen Anleihegläubiger keine dreistelligen Milliardenbeträge zu vernünftigen Konditionen.

Nvidia würde deshalb nicht Geld überweisen, sondern haften. Die Garantie deckt laut CNBC den Mietvertrag und die Bauschulden – nicht die Chips, die später in den Hallen stehen. Über die verhandeln beide Seiten separat; dabei geht es um bis zu 350 Milliarden Dollar. Praktisch heisst das: SB Energy könnte sich Kapital auf Nvidias Bilanz beschaffen statt auf der seines Mieters.

Laut The Information – zitiert von Network World und Al Jazeera – wäre ein Mietvertrag über rund 20 Jahre vorgesehen, bei dem OpenAI die Rechenhardware kontrolliert und erst zahlt, sobald der Standort läuft. Es wäre der erste Standort, an dem OpenAI selbst Mieter ist statt Kunde von Microsoft, Amazon oder Oracle.

Vom Uranwerk zur Rechenfabrik

Der Standort ist das ehemalige Portsmouth Gaseous Diffusion Plant bei Piketon, laut Al Jazeera rund 110 Kilometer südlich von Columbus. Dort wurde von 1954 bis 2001 Uran angereichert, unter anderem für das US-Atomwaffenprogramm; das Gelände wird bis heute dekontaminiert. Es gehört dem US-Energieministerium und stand auf dessen Liste von 16 Bundesarealen, die für den schnellen Rechenzentrumsbau geöffnet wurden – SB Energy pachtet den Boden, statt ihn zu kaufen. Der Spatenstich für den PORTS Technology Campus erfolgte im März 2026, wie DigiTimes unter Verweis auf das Energieministerium festhält.

Die Dimensionen:

  • Über 500 Milliarden Dollar Gesamtkosten inklusive Chips – nach heutigen Preisen für Hardware, Strom und Bau
  • 9,2 Gigawatt neue Gaskraftwerksleistung, finanziert aus einer japanischen Zusage von 33,3 Milliarden Dollar
  • Erste Ausbaustufe rund 800 Megawatt, geplant für 2028
  • 10 Gigawatt entsprechen laut einer CNBC-Auswertung von Daten der US-Energiebehörde EIA etwa dem Jahresstromverbrauch von 8 Millionen US-Haushalten

71-mal grösser als alles bisher

Für Nvidia wäre das ein Sprung in eine andere Grössenordnung. Tom's Hardware hat aus Nvidias Quartalsbericht (10-Q für Q1 des Geschäftsjahrs 2027) herausgerechnet, dass die maximale Bruttoexponierung über alle bisher offengelegten Mietgarantien zusammen bei 3,5 Milliarden Dollar liegt, abgesichert durch 712 Millionen Dollar auf Treuhandkonten. Eine 250-Milliarden-Garantie wäre also rund 71-mal so gross wie das gesamte bisherige Garantiebuch – mehr als ein Jahresumsatz (215,9 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2026) und etwa das Vierfache der flüssigen Mittel (62,6 Milliarden Dollar).

Der Markt reagierte entsprechend: Die Nvidia-Aktie gab am Montag rund 5 Prozent nach – laut Al Jazeera lag sie am Mittag 4,9 Prozent im Minus. Bemerkenswert an einem Tag, an dem eigentlich ein Riesenauftrag gemeldet wurde.

Geld, das im Kreis läuft

Genau das ist der Kern der Kritik. Nvidia hat bereits 30 Milliarden Dollar in OpenAI gesteckt und im September 2025 angekündigt, bis zu 100 Milliarden zu investieren, während OpenAI im Gegenzug Nvidia-Systeme aufbaut. Wer jetzt noch für die Miete bürgt, finanziert den eigenen Kunden.

«Nvidia springt ein und stellt Mittel bereit, damit sie weiter Nvidia-Chips kaufen können. Woher die Nachfrage der gesamten Kette kommt oder woher das Geld kommt, wird damit zu einer wirklich grossen Frage.»
— Aleksandar Tomic, Associate Dean am Boston College, gegenüber Al Jazeera (aus dem Englischen übersetzt)

Tomic zieht die Parallele zu 1999, als Firmen einander Produkte abkauften und die Nachfrage dadurch grösser wirkte, als sie war. Widerspruch kommt von Michael Monaghan, Gründer des Founder's ETF: Zirkulierendes Geld sei schlicht Wirtschaft, die Kritik habe weniger Substanz, als sie klinge. Entschieden ist die Debatte nicht – Tomics zweite Frage bleibt aber stehen: Wenn im KI-Ökosystem alles rundläuft, warum braucht es diese Garantie überhaupt?

Ohio ist nicht Georgia

Kurzer Ordnungsruf, weil die Meldungen sich gerade überlagern: Vor wenigen Tagen ging es um OpenAIs auf rund 750 Milliarden Dollar erhöhtes Compute-Budget und Project Camellia in Savannah, Georgia. Das hier ist ein anderer Standort und eine andere Frage. Camellia beantwortet, wie viel OpenAI ausgeben will. Piketon beantwortet, wer haftet, wenn OpenAI nicht zahlen kann.

Warum dich das auch in Zürich betrifft

Direkt betroffen ist die Schweiz nicht – gebaut wird in Ohio, gehaftet wird in Santa Clara. Indirekt schon: Nvidia ist eine der schwersten Positionen in den globalen Aktienindizes, an denen auch Schweizer Pensionskassen und ETF-Sparpläne hängen. Wenn ein Chiphersteller Kreditrisiken seiner Kunden in die eigene Bilanz nimmt, verschiebt sich dieses Risiko still in Portfolios, die formal nur «Technologie» halten.

Und wer KI beruflich nutzt, bekommt hier eine nüchterne Information über die Ökonomie hinter dem Chatfenster: Die Rechenleistung, die deine Anfragen beantwortet, wird derzeit gegen Sicherheiten gebaut, die noch niemand unterschrieben hat.

Quellen

Wall Street Journal: Nvidia in Talks With OpenAI to Guarantee $250 Billion Financing for Data Center↗ EXTERNER LINKCNBC: Nvidia and OpenAI in talks for up to $250 billion backstop to fund AI infrastructure plans↗ EXTERNER LINKTom's Hardware: Nvidia weighs $250 billion guarantee so OpenAI can lease SoftBank's 10-gigawatt Ohio campus↗ EXTERNER LINKAl Jazeera: Nvidia plans $250bn push to bolster OpenAI's infrastructure ambitions↗ EXTERNER LINKNetwork World: OpenAI weighs Nvidia-backed lease for 10 GW Ohio data center campus↗ EXTERNER LINKDigiTimes: Nvidia weighs US$250B backstop for OpenAI's Ohio data center↗ EXTERNER LINK
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