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Nvidia halbiert seine Bürgschaft für OpenAIs Ohio-Campus

Nvidia senkt die geplante Finanzgarantie für OpenAIs Rechenzentrum in Ohio von rund 250 auf zunächst weniger als 120 Milliarden Dollar. Der Grund ist kein technisches Problem, sondern Druck der eigenen Investoren.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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16. AUGUST 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Auffangnetzes zwischen zwei Stahlpfosten, kinewsletter.ch Stil
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INHALT
01Eine Bürgschaft, kein Check02Der Aktienkurs hat mitverhandelt03350 Milliarden für Chips bleiben im Spiel04Anthropic liefert das Gegenargument
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Wenn der grösste Gewinner des KI-Booms sein eigenes Risiko unter Investorendruck halbiert, wird die Finanzierung der Rechenzentren erstmals zum eigentlichen Nadelöhr – nicht die Technik.

Nvidia kürzt die geplante Finanzgarantie für OpenAIs Rechenzentrum in Ohio von rund 250 auf zunächst weniger als 120 Milliarden US-Dollar. Das berichtete das Wall Street Journal am 14. August 2026 unter Berufung auf Eingeweihte; Reuters griff die Meldung noch am selben Abend auf. Der Auslöser ist bemerkenswert: Nicht Technik, nicht Baugenehmigungen, sondern die eigenen Aktionäre. Sie hatten Bedenken gegen Nvidias Risiko bei derart grossen Finanzierungszusagen angemeldet – und die Zusage schrumpfte um mehr als die Hälfte.

Eine Bürgschaft, kein Check

Wichtig zum Verständnis: Nvidia würde die 120 Milliarden nicht überweisen. Es geht um einen sogenannten Backstop – eine Garantie für Kredite, die andere Geldgeber für den Bau bereitstellen. OpenAI hat kein Investment-Grade-Rating, also keine Bonitätsnote, die günstige Grosskredite ermöglicht. Die Banken würden das Projekt deshalb faktisch gegen Nvidias Kreditwürdigkeit finanzieren statt gegen OpenAIs.

Nach den neuen Bedingungen deckt diese Garantie nur noch die erste Ausbaustufe ab – grob die Hälfte des geplanten 10-Gigawatt-Campus. Über die zweite Hälfte will Nvidia später entscheiden. Gebaut wird die Anlage in Pike County, Ohio, von SB Energy, einer Tochter des japanischen SoftBank-Konzerns. Vollständig realisiert wäre es das grösste je angekündigte Rechenzentrumsprojekt überhaupt; die Gesamtkosten liegen laut den Berichten jenseits von 500 Milliarden Dollar.

Der Aktienkurs hat mitverhandelt

Die Vorgeschichte erklärt den Rückzieher. Als das Wall Street Journal Ende Juli erstmals über die 250-Milliarden-Zusage berichtete, fiel die Nvidia-Aktie um rund 5 Prozent. Es wäre die grösste Finanzgarantie gewesen, die je zwischen zwei privaten Unternehmen verhandelt wurde. Drei Wochen später ist die Zahl weniger als halb so gross – am Projekt selbst hat sich in dieser Zeit nichts geändert.

Der Kern des Problems ist ein Sichtbarkeitsproblem. Nvidias Aktienbeteiligungen tauchen quartalsweise in Pflichtmeldungen auf, sie lassen sich lesen und bewerten. Eine Bürgschaft dagegen steht so lange ausserhalb der Bilanz, bis jemand sie einfordert. Die Investoren konnten das Risiko also nicht beziffern – und haben stattdessen ihre Sorge eingepreist.

350 Milliarden für Chips bleiben im Spiel

Der geschrumpfte Backstop ist nicht die ganze Geschichte. Parallel verhandeln beide Seiten laut The Decoder und Interesting Engineering über eine separate Finanzierung von OpenAIs Chip-Käufen im Umfang von bis zu 350 Milliarden Dollar – rechtlich und strukturell getrennt von der Baugarantie. Und OpenAI verhandelt weiterhin über einen verbindlichen Mietvertrag für den vollen 10-Gigawatt-Campus. Die grossen Pläne sind also nicht vom Tisch, nur die Risikoverteilung wird neu sortiert.

Dazu passt, dass Nvidia am Montag zuvor Partnerschaften mit sechs grossen Finanzhäusern angekündigt hatte, um über 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für KI-Infrastruktur zu mobilisieren. The Next Web weist allerdings darauf hin, dass es sich dabei bislang um Absichtserklärungen handelt, nicht um zugesagtes Geld.

Anthropic liefert das Gegenargument

Für dich als Beobachterin oder Beobachter der Blasendebatte ist das ein zweischneidiges Signal. Wenn ausgerechnet der grösste Profiteur des KI-Booms sein Risiko unter Aktionärsdruck halbiert, bestätigt das jene, die vor überdehnten Finanzierungsketten warnen. OpenAI ist bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar weiterhin nicht profitabel.

Auf der anderen Seite steht die Nachfrage. Konkurrent Anthropic meldete für das zweite Quartal 2026 laut CNBC und Fortune einen Umsatz von über 11,5 Milliarden Dollar – nach 4,73 Milliarden im ersten Quartal und rund dem Vierzehnfachen des Vorjahresquartals. Die Kundschaft zahlt also real. Was hier wackelt, ist nicht die Nachfrage nach KI, sondern die Konstruktion, mit der die dafür nötigen Rechenzentren finanziert werden.

Auch für Schweizer Anlegerinnen und Anleger ist das relevanter, als es klingt: Nvidia gehört zu den grössten Positionen globaler Aktienindizes – und damit auch zu den Titeln, die in vielen hiesigen Vorsorge- und Indexportfolios passiv mitlaufen. Wie viel Risiko der Konzern in Ohio übernimmt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Der nächste Prüfstein: Wer am Ende für die zweiten fünf Gigawatt geradesteht.

Quellen

Nvidia scales back funding guarantee for Ohio OpenAI data center, WSJ reports↗ EXTERNER LINKNvidia halved its $250bn promise to OpenAI. Then it showed investors what it owns↗ EXTERNER LINKNvidia cuts $130B+ from OpenAI's 10GW Ohio campus backing amid risk concerns↗ EXTERNER LINKInvestor pressure forces Nvidia to shrink its OpenAI bet↗ EXTERNER LINKAnthropic revenue jumps to over $11.5 billion in Q2↗ EXTERNER LINK
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