Bis zum 4. Oktober laufen in der ganzen Schweiz Hackathons, Elternabende und Podien rund um KI. Die Veranstalter melden 220 Partner und 37 Städte. Was wirklich im Kalender steht, was es kostet und was so ein Event-Marathon leisten kann.
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Rund zwei Drittel der ausgeschriebenen Termine sind gratis – wer KI ausprobieren will, findet in den nächsten vier Wochen kaum je einen günstigeren Einstieg. Nur ersetzt ein Anlass keine Strategie.
Seit dem 1. September läuft die zweite Ausgabe der Swiss {ai} Weeks, und sie dauert noch bis zum 4. Oktober 2026. Die Veranstalter melden 220 Partner, 37 Städte und Gemeinden sowie über 180 Veranstaltungen zum Start – von Hackathons über Elternabende bis zu Podien im Zürcher Rathaus. Getragen wird die Reihe von der HUB Fellowship Association, einem Schweizer Non-Profit, das die Bewegung 2025 gegründet hat. Für dich heisst das vor allem eines: Es gibt gerade ungewöhnlich viele Gelegenheiten, KI nicht nur zu lesen, sondern anzufassen.
Die nützlichste Zahl steht nicht in der Medienmitteilung. Wir haben den öffentlichen Kalender auf ai-weeks.ch am 3. September ausgezählt: 105 Termine starten zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober, und 69 davon sind gratis. Der Rest kostet zwischen 5 und 1'850 Franken – die teuren Ausreisser sind Business-Weiterbildungen, das breite Mittelfeld liegt bei 15 bis 100 Franken.
Rund ein Drittel der Termine läuft rein online, der Rest vor Ort. Räumlich ist die Verteilung schief: Zürich stellt mit Abstand am meisten Termine, danach folgen Genf, Lausanne, St. Gallen, Buchs, Lugano und Basel. Wer in Locarno, Martigny oder Rorschach wohnt, findet dort je einen Anlass – dafür sind die Online-Formate offen für alle.
Ein Hinweis zur Vorsicht: Die Veranstalterzahl «über 180» liess sich an diesem Kalender nicht nachzählen. Publiziert sind dort insgesamt 233 Termine, die meisten aber ausserhalb des Fensters – die Bewegung läuft laut eigener Darstellung ganzjährig weiter. Nimm die grossen Zahlen also als das, was sie sind: Angaben der Organisatoren.
Konkret wird es, wenn man ins Programm schaut. Eine Auswahl aus dem Kalender:
Anmelden läuft pro Anlass über den Kalender auf ai-weeks.ch – jeder Eintrag führt direkt zur Registrierung des jeweiligen Veranstalters. Und ja, Plätze sind endlich: Gratis heisst hier nicht unbegrenzt.
Der Vergleich mit dem Debüt zeigt, wie schnell die Sache wächst. Zum Start 2025 waren es laut damaliger Mitteilung 150 Partnerorganisationen, über 160 Veranstaltungen und 24 Städte. Ein Jahr später sind es 220 Partner (+47 Prozent) und 37 Städte (+54 Prozent). In der Schlussbilanz 2025 nennen die Veranstalter 154 Partner, 33 Städte, 240 Events, 15 Hackathons – und, das ist der interessantere Teil, 140 entstandene Prototypen sowie 40 Validierungen des Schweizer Sprachmodells Apertus zusammen mit ETH und EPFL.
Neu ist 2026 die inhaltliche Verbreiterung: Neben den technischen Formaten stehen Anlässe zu vertrauenswürdiger KI, Ethik, Datenschutz, öffentlicher Verwaltung und digitaler Teilhabe im Programm. Ergänzt wird das durch Executive Dinners für Führungskräfte und einen AI Investor Summit.
Die Reihe ist offizielles Vor-Event des Genfer KI-Gipfels, der am 21. und 22. Juni 2027 im Palexpo stattfindet. Organisiert wird er vom Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) zusammen mit dem Aussendepartement (EDA), zeitlich direkt gekoppelt an den AI for Good Global Summit der ITU. Unter dem Titel «Road to Geneva» können seit August 2026 Organisationen weltweit eigene Vorveranstaltungen anmelden – wobei der Bund dabei ausdrücklich weder Geld noch organisatorische Unterstützung beisteuert.
Und jetzt der nüchterne Teil. Die Swiss AI Weeks treffen auf ein Land, in dem KI längst angekommen ist – nur nicht besonders tief. Die von AWS finanzierte Studie, über die wir am 29. August berichtet haben, zeigt: 57 Prozent der Schweizer Unternehmen nutzen KI, aber nur 31 Prozent haben eine ausformulierte KI-Strategie, bei KMU sind es 29 Prozent. Und 60 Prozent der Nutzenden kommen über öffentlich verfügbare Chatbots nicht hinaus.
Dazu kommt die Stimmungslage. Im Schweizer Zukunftskompass 2026 landete das Szenario «KI im Alltag» auf Rang 39 von 40 der gewünschten Zukunftsbilder – obwohl vier Fünftel der Bevölkerung KI bereits nutzen. Nutzen und Wollen fallen also auseinander.
Fünf Wochen Programm können Berührungsängste abbauen. Eine Unternehmensstrategie schreiben sie nicht, und ein gesellschaftliches Unbehagen räumen sie erst recht nicht ab.
Der Erfolg misst sich deshalb nicht an der Zahl der Veranstaltungen, sondern an dem, was danach übrig bleibt: 140 Prototypen und 40 Apertus-Validierungen aus dem Vorjahr sind ein brauchbarerer Massstab als 220 Partnerlogos auf einer Website. Wenn du dieses Jahr an einem der Hackathons sitzt – die spannende Frage ist nicht, was du am Sonntagabend zeigst, sondern was am Montag danach noch läuft.
Seit der Chart-Woche vom 31. August 2026 sind vollständig KI-generierte Songs in Australien nicht mehr chartberechtigt. Die Regel geht auf globale Prinzipien des Weltverbands IFPI zurück – und die Schweizer Hitparade steht auf derselben Liste. IFPI Schweiz plant ein eigenes Chartreglement.