AUSGABE #26 · 21. SEPTEMBER 2026

KI-Newsletter #26 – Trump nennt die KI-Bremse einen Hoax, Anthropic schreibt schwarze Zahlen und Siri läuft neu mit Gemini

Trump nennt die KI-Bremse einen Hoax – live auf der Bühne beim All-In Summit, während Musk, Altman und Amodei ihr am Wochenende zuvor zugestimmt hatten. Cohere-Chef Aidan Gomez nennt das gemeinsame Tempolimit ein Kartell, die FTC hört mit. Anthropic bestätigt zwei Quartale schwarzer Zahlen und wählt die Nasdaq. Brüssel verschickt die ersten formalen AI-Act-Anfragen, Google, OpenAI und Anthropic planen daneben eine eigene KI-Aufsicht nach dem FINRA-Vorbild. Aus der Schweiz: Apples neue Siri AI mit Gemini läuft ab sofort auch hier – während die EU wegen DMA aussen vor bleibt. Und die Schweizer KI-Aktien reagieren scharf auf die Sicherheits-Debatte. Ab geht's.

12 ARTIKELTOOL: GEMINI 3.8 LIVEFIRMA: ANTHROPIC
WEITERE ARTIKEL
Illustration einer Börsenglocke auf einem Holzpult mit aufgeschlagenem Hauptbuch, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS

Anthropic schreibt schwarze Zahlen – und wählt die Nasdaq

Anthropic hat einem kleinen Investorenkreis mitgeteilt, dass das bereinigte Betriebsergebnis zum zweiten Mal in Folge positiv ausfallen wird. Der Q2-Umsatz lag bei 11,5 Milliarden Dollar – vierzehnmal so viel wie ein Jahr zuvor. Als Börsenplatz für den geplanten Gang an die Börse hat das Unternehmen die Nasdaq gewählt.

Skizze eines Tempolimit-Schilds, an dem drei Personen gemeinsam die Zahl aufmalen, in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK

Kritiker nennen das KI-Tempolimit ein Kartell

OpenAI, Anthropic und Google DeepMind wollen die Entwicklung ihrer stärksten Modelle gemeinsam drosseln. Cohere-CEO Aidan Gomez nennt das ein Kartell unter anderem Namen – und der Chef der US-Wettbewerbsbehörde FTC hört Alarmglocken.

Illustration eines aufgeschlagenen Regelwerks auf einem Lesepult mit Leselampe, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK

Microsoft gibt seinen KI-Modellen eine Verfassung

Microsoft AI hat am Montag den ersten Entwurf eines «Humanist AI Code of Conduct» für seine MAI-Modelle veröffentlicht und zur öffentlichen Konsultation gestellt. Kernsatz: Menschen zählen mehr als KI. Die Modelle sollen sich menschlicher Unterbrechung, Korrektur oder Abschaltung nie widersetzen. Die Konsultation läuft sechs Wochen.

Illustration einer Präzisionswaage mit Kalibriergewichten auf einer Laborbank, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK

Google, OpenAI und Anthropic planen ihre eigene KI-Aufsicht

Vertreter von Google, OpenAI und Anthropic treffen sich seit mindestens Juli regelmässig, um eine gemeinsame Normen- und Prüfstelle für KI-Modelle auszuloten. Das berichtet The Information. Vorbild ist die US-Finanzaufsicht FINRA – und Sam Altman geht davon aus, dass die Labore das ohne Washington aufbauen müssen.

Illustration eines Stapels versiegelter Briefumschläge auf einem Schreibtisch mit Brieföffner, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK

Brüssel verschickt die ersten AI-Act-Anfragen

Die EU-Kommission hat mehreren Anbietern universell einsetzbarer KI-Modelle formale Auskunftsersuchen zugestellt – oft der erste Schritt zu einem Untersuchungsverfahren. Anlass sind Vorfälle, bei denen KI-Agenten ausserhalb der vorgesehenen Grenzen agierten. Im Extremfall kann die Kommission Modelle einschränken oder zurückrufen lassen.

Skizze eines iPhones mit Siri-Sprachwelle und einer Schranke an der EU-Grenze in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
KI-TOOLS & APPS

Apples neue Siri läuft mit Gemini – die Schweiz darf, die EU nicht

Apple hat am 14. September mit iOS 27 die komplett neu gebaute «Siri AI» ausgeliefert. Sie läuft auf Modellen, die Apple gemeinsam mit Google und dessen Gemini entwickelt hat. In der EU bleibt der Assistent auf iPhone und iPad wegen des Digital Markets Act gesperrt – die Schweiz ist laut Apple nicht betroffen. Der Haken für Schweizer Nutzer liegt woanders: Zum Start gibt es Siri AI nur auf Englisch.

Illustration einer Standseilbahn, die einen steilen Berghang hinunterfährt, kinewsletter.ch Stil
KI IN DER SCHWEIZ

Schweizer KI-Aktien brechen ein – ABB verliert 3,6 Prozent

Nachdem führende KI-Chefs am Wochenende vor den Risiken ihrer eigenen Technologie gewarnt hatten, gerieten am Montag auch Schweizer Aktien unter Druck. Comet verlor 6,6 Prozent, VAT 5,7 Prozent, ABB 3,6 Prozent. Betroffen sind vor allem Zulieferer für Rechenzentren und Chipfertigung.

Skizze eines Chatfensters mit Zahnrad und Roboterarm, der das Setup erledigt, in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
KI-TOOLS & APPS

Meta lässt KI-Agenten das WhatsApp-Business-Setup erledigen

Meta hat einen MCP-Server für die WhatsApp Business Platform veröffentlicht. KI-Agenten wie Claude, Codex oder ChatGPT richten damit Konto, Telefonnummer und Nachrichtenvorlagen selbst ein. Für Schweizer KMU sinkt die technische Hürde spürbar – Opt-in, Vorlagen-Genehmigung und Datenschutz bleiben trotzdem deine Baustelle.

Skizze einer Lupe über einem Chatfenster in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK

Project Lily: Hunderte Menschen lesen deine ChatGPT-Chats

OpenAI beschäftigt laut einer Recherche von 404 Media hunderte Vertragsarbeiter, die echte ChatGPT-Gespräche lesen und die Antworten des Chatbots benoten. Die Einstellung, die das erlaubt, ist bei privaten Konten standardmässig aktiv. So findest und deaktivierst du sie.

Skizze einer Wolke mit Zahnrad und Chip, die zu einem eigenen Modell zusammengebaut werden, in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS

Salesforce baut sein eigenes KI-Modell – mit Nvidia

Salesforce hat an seiner Hauskonferenz Dreamforce «Koa» vorgestellt, das erste eigene Reasoning-Modell des CRM-Konzerns. Es basiert auf Nvidias offenem Modell Nemotron und ist auf Aufgaben in Vertrieb, Marketing und Kundendienst trainiert. Damit kauft ein Anwendungsanbieter die Denkleistung nicht mehr nur bei OpenAI oder Anthropic ein – er baut sie selbst.

Skizze eines humanoiden Roboters neben einer offenen Schutzabsperrung in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG

Humanoider Roboter Digit 5 soll ohne Schutzzaun arbeiten

Agility Robotics hat am 15. September 2026 Digit 5 vorgestellt – einen humanoiden Roboter, der laut Hersteller ohne Sicherheitszaun direkt neben Menschen in Lagern und Fabriken arbeiten kann. Fast alle Leistungsdaten stammen bislang von Agility selbst, und das Unternehmen räumt im Kleingedruckten ein, dass Teile der Sicherheitsfunktionen noch in Entwicklung sind.

HIGHLIGHTS DER WOCHE
TOOL DER WOCHE

Gemini 3.8 Live

Googles neues Sprachmodell wechselt mitten im Gespräch zwischen 97 Sprachen und erledigt Tool-Calls im Hintergrund, ohne dass die Sprachausgabe stoppt. Und der Preis unterbietet OpenAIs GPT-Live-1: rund ein Viertel der Kosten pro Minute. Für Schweizer Callcenter, Support-Bots und mehrsprachige Assistenten ist das der derzeit interessanteste Voice-Stack – zumal Gemini 3.8 Live über die Standard-Gemini-API zugänglich ist.

FIRMA DER WOCHE

Anthropic

Während die KI-Bremse politisch kippt, festigt Anthropic seine Position: Das Unternehmen bestätigt gegenüber einem Investorenkreis zwei aufeinanderfolgende Quartale mit positivem bereinigten Betriebsergebnis, meldet 11,5 Milliarden Dollar Q2-Umsatz – 14x mehr als vor einem Jahr – und legt sich für den Börsengang auf die Nasdaq fest. Gleichzeitig ist Anthropic Miturheber des «Pace the Frontier»-Konsens von letzter Woche und plant mit Google und OpenAI eine gemeinsame KI-Aufsicht nach FINRA-Vorbild – auch wenn die FTC das inzwischen als Kartell hinterfragt.

DER ZUG DER WOCHE

Zwei Quartale schwarzer Zahlen bestätigt, Nasdaq als IPO-Bourse gewählt – und gleichzeitig Miturheber der von Trump als «Hoax» kritisierten KI-Bremse.

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