KI-Newsletter #26 – Trump nennt die KI-Bremse einen Hoax, Anthropic schreibt schwarze Zahlen und Siri läuft neu mit Gemini
Trump nennt die KI-Bremse einen Hoax – live auf der Bühne beim All-In Summit, während Musk, Altman und Amodei ihr am Wochenende zuvor zugestimmt hatten. Cohere-Chef Aidan Gomez nennt das gemeinsame Tempolimit ein Kartell, die FTC hört mit. Anthropic bestätigt zwei Quartale schwarzer Zahlen und wählt die Nasdaq. Brüssel verschickt die ersten formalen AI-Act-Anfragen, Google, OpenAI und Anthropic planen daneben eine eigene KI-Aufsicht nach dem FINRA-Vorbild. Aus der Schweiz: Apples neue Siri AI mit Gemini läuft ab sofort auch hier – während die EU wegen DMA aussen vor bleibt. Und die Schweizer KI-Aktien reagieren scharf auf die Sicherheits-Debatte. Ab geht's.
Anthropic schreibt schwarze Zahlen – und wählt die Nasdaq
Anthropic hat einem kleinen Investorenkreis mitgeteilt, dass das bereinigte Betriebsergebnis zum zweiten Mal in Folge positiv ausfallen wird. Der Q2-Umsatz lag bei 11,5 Milliarden Dollar – vierzehnmal so viel wie ein Jahr zuvor. Als Börsenplatz für den geplanten Gang an die Börse hat das Unternehmen die Nasdaq gewählt.
Kritiker nennen das KI-Tempolimit ein Kartell
OpenAI, Anthropic und Google DeepMind wollen die Entwicklung ihrer stärksten Modelle gemeinsam drosseln. Cohere-CEO Aidan Gomez nennt das ein Kartell unter anderem Namen – und der Chef der US-Wettbewerbsbehörde FTC hört Alarmglocken.
Microsoft gibt seinen KI-Modellen eine Verfassung
Microsoft AI hat am Montag den ersten Entwurf eines «Humanist AI Code of Conduct» für seine MAI-Modelle veröffentlicht und zur öffentlichen Konsultation gestellt. Kernsatz: Menschen zählen mehr als KI. Die Modelle sollen sich menschlicher Unterbrechung, Korrektur oder Abschaltung nie widersetzen. Die Konsultation läuft sechs Wochen.
Google, OpenAI und Anthropic planen ihre eigene KI-Aufsicht
Vertreter von Google, OpenAI und Anthropic treffen sich seit mindestens Juli regelmässig, um eine gemeinsame Normen- und Prüfstelle für KI-Modelle auszuloten. Das berichtet The Information. Vorbild ist die US-Finanzaufsicht FINRA – und Sam Altman geht davon aus, dass die Labore das ohne Washington aufbauen müssen.
Brüssel verschickt die ersten AI-Act-Anfragen
Die EU-Kommission hat mehreren Anbietern universell einsetzbarer KI-Modelle formale Auskunftsersuchen zugestellt – oft der erste Schritt zu einem Untersuchungsverfahren. Anlass sind Vorfälle, bei denen KI-Agenten ausserhalb der vorgesehenen Grenzen agierten. Im Extremfall kann die Kommission Modelle einschränken oder zurückrufen lassen.
Apples neue Siri läuft mit Gemini – die Schweiz darf, die EU nicht
Apple hat am 14. September mit iOS 27 die komplett neu gebaute «Siri AI» ausgeliefert. Sie läuft auf Modellen, die Apple gemeinsam mit Google und dessen Gemini entwickelt hat. In der EU bleibt der Assistent auf iPhone und iPad wegen des Digital Markets Act gesperrt – die Schweiz ist laut Apple nicht betroffen. Der Haken für Schweizer Nutzer liegt woanders: Zum Start gibt es Siri AI nur auf Englisch.
Schweizer KI-Aktien brechen ein – ABB verliert 3,6 Prozent
Nachdem führende KI-Chefs am Wochenende vor den Risiken ihrer eigenen Technologie gewarnt hatten, gerieten am Montag auch Schweizer Aktien unter Druck. Comet verlor 6,6 Prozent, VAT 5,7 Prozent, ABB 3,6 Prozent. Betroffen sind vor allem Zulieferer für Rechenzentren und Chipfertigung.
Meta lässt KI-Agenten das WhatsApp-Business-Setup erledigen
Meta hat einen MCP-Server für die WhatsApp Business Platform veröffentlicht. KI-Agenten wie Claude, Codex oder ChatGPT richten damit Konto, Telefonnummer und Nachrichtenvorlagen selbst ein. Für Schweizer KMU sinkt die technische Hürde spürbar – Opt-in, Vorlagen-Genehmigung und Datenschutz bleiben trotzdem deine Baustelle.
Project Lily: Hunderte Menschen lesen deine ChatGPT-Chats
OpenAI beschäftigt laut einer Recherche von 404 Media hunderte Vertragsarbeiter, die echte ChatGPT-Gespräche lesen und die Antworten des Chatbots benoten. Die Einstellung, die das erlaubt, ist bei privaten Konten standardmässig aktiv. So findest und deaktivierst du sie.
Salesforce baut sein eigenes KI-Modell – mit Nvidia
Salesforce hat an seiner Hauskonferenz Dreamforce «Koa» vorgestellt, das erste eigene Reasoning-Modell des CRM-Konzerns. Es basiert auf Nvidias offenem Modell Nemotron und ist auf Aufgaben in Vertrieb, Marketing und Kundendienst trainiert. Damit kauft ein Anwendungsanbieter die Denkleistung nicht mehr nur bei OpenAI oder Anthropic ein – er baut sie selbst.
Humanoider Roboter Digit 5 soll ohne Schutzzaun arbeiten
Agility Robotics hat am 15. September 2026 Digit 5 vorgestellt – einen humanoiden Roboter, der laut Hersteller ohne Sicherheitszaun direkt neben Menschen in Lagern und Fabriken arbeiten kann. Fast alle Leistungsdaten stammen bislang von Agility selbst, und das Unternehmen räumt im Kleingedruckten ein, dass Teile der Sicherheitsfunktionen noch in Entwicklung sind.
Gemini 3.8 Live
Googles neues Sprachmodell wechselt mitten im Gespräch zwischen 97 Sprachen und erledigt Tool-Calls im Hintergrund, ohne dass die Sprachausgabe stoppt. Und der Preis unterbietet OpenAIs GPT-Live-1: rund ein Viertel der Kosten pro Minute. Für Schweizer Callcenter, Support-Bots und mehrsprachige Assistenten ist das der derzeit interessanteste Voice-Stack – zumal Gemini 3.8 Live über die Standard-Gemini-API zugänglich ist.
Anthropic
Während die KI-Bremse politisch kippt, festigt Anthropic seine Position: Das Unternehmen bestätigt gegenüber einem Investorenkreis zwei aufeinanderfolgende Quartale mit positivem bereinigten Betriebsergebnis, meldet 11,5 Milliarden Dollar Q2-Umsatz – 14x mehr als vor einem Jahr – und legt sich für den Börsengang auf die Nasdaq fest. Gleichzeitig ist Anthropic Miturheber des «Pace the Frontier»-Konsens von letzter Woche und plant mit Google und OpenAI eine gemeinsame KI-Aufsicht nach FINRA-Vorbild – auch wenn die FTC das inzwischen als Kartell hinterfragt.
Zwei Quartale schwarzer Zahlen bestätigt, Nasdaq als IPO-Bourse gewählt – und gleichzeitig Miturheber der von Trump als «Hoax» kritisierten KI-Bremse.























