Anthropic hat einem kleinen Investorenkreis mitgeteilt, dass das bereinigte Betriebsergebnis zum zweiten Mal in Folge positiv ausfallen wird. Der Q2-Umsatz lag bei 11,5 Milliarden Dollar – vierzehnmal so viel wie ein Jahr zuvor. Als Börsenplatz für den geplanten Gang an die Börse hat das Unternehmen die Nasdaq gewählt.
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Zum ersten Mal legt ein Frontier-Labor Investoren eine Quartalsrechnung vor, bei der unter dem Strich ein Plus steht – ausgerechnet in der Woche, in der sein eigener Chef die Branche zum Bremsen aufruft.
Anthropic hat einem kleinen Kreis von Aktionären mitgeteilt, dass das bereinigte Betriebsergebnis im laufenden Quartal zum zweiten Mal in Folge positiv sein wird. Das berichtete die Financial Times am Montag. Im zweiten Quartal setzte der Claude-Entwickler 11,5 Milliarden Dollar um – das Vierzehnfache des Vorjahreswerts. Als Börsenplatz für den geplanten Börsengang hat das Unternehmen die Nasdaq gewählt; die Bewertung könnte laut FT bei 2 Billionen Dollar oder darüber liegen.
Die Zahlen, die Anthropic seinen Investoren gezeigt hat, beschreiben ein Wachstum, das selbst für diese Branche ungewöhnlich ist. Der annualisierte Umsatz – also der aufs Jahr hochgerechnete Wert der laufenden Verträge – lag Ende Juli bei 65 Milliarden Dollar. Ende des Vorjahres waren es noch 9 Milliarden. Analysten erwarten laut FT, dass Anthropic das Jahr mit rund 120 Milliarden Dollar annualisiert abschliesst und diesen Wert bis Ende 2027 nahezu verdreifacht.
Die Bruttomarge liegt nach Angaben von Personen, die die FT zitiert, bei über 80 Prozent – allerdings vor der Umsatzbeteiligung von Vertriebspartnern wie Amazon und vor den Kosten für das Training der Modelle. Diese beiden Posten sind genau die, an denen sich die Debatte um die Wirtschaftlichkeit von KI-Laboren seit Jahren entzündet.
«Bereinigtes Betriebsergebnis» klingt nach Buchhalter-Kleingedrucktem, ist aber der Kern der Meldung. Die Kennzahl rechnet unter anderem die heraus – also jenen Teil der Mitarbeiterlöhne, der nicht in Franken oder Dollar, sondern in Firmenanteilen ausbezahlt wird. In der Tech-Branche ist dieser Posten gross genug, um aus einem Gewinn schnell wieder einen Verlust zu machen.
Trotzdem bleibt der Befund bemerkenswert: Bisher hat kein Frontier-Labor seinen Investoren ein Quartal vorgelegt, in dem die Betriebslinie im Plus lag. Die Frage, ob die rasant steigenden Umsätze mit den enormen Kosten für Rechenzentren und Modelltraining Schritt halten können, ist für potenzielle Anleger die entscheidende – und Anthropic liefert darauf jetzt erstmals eine Zahl statt einer Prognose.
Erwartet worden war der IPO-Prospekt eigentlich schon vergangene Woche. Stattdessen hat Anthropic die Unterlagen zunächst nur einem kleinen Investorenkreis zugänglich gemacht und will deren Fragen beantworten, bevor die Dokumente öffentlich werden.
Der Zeitpunkt ist heikel. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte erst am Samstag in einem Essay dazu aufgerufen, das Tempo bei den leistungsfähigsten Modellen zu drosseln, und sich dabei besorgt gezeigt, dass KI-Agenten in sechs bis zwölf Monaten erheblichen Schaden anrichten könnten. Ein Unternehmen, das gleichzeitig die eigene Branche zum Bremsen auffordert und Anlegern zweistellige Milliardenumsätze vorrechnet, muss diesen Spagat erklären können.
Für dich ist vor allem der Kontrast interessant: Während Anthropic die Nasdaq wählt und Zahlen zeigt, hat OpenAI-Chef Sam Altman am Wochenende erklärt, ein Börsengang noch 2026 wäre «unklug» – obwohl OpenAI bereits vertraulich eingereicht hat. Zwei der grössten Labore der Welt kommen also in derselben Woche zu gegensätzlichen Schlüssen darüber, ob der Kapitalmarkt gerade der richtige Ort für sie ist.
Und das ist kein rein amerikanisches Thema: Als die Verlangsamungs-Debatte am Montag auf die Börsen durchschlug, verloren auch Schweizer Werte wie ABB, VAT oder Comet deutlich – Unternehmen, die vom Rechenzentrums-Boom leben. Wie Anthropics Zahlen aufgenommen werden, entscheidet mit darüber, ob diese Korrektur eine Episode bleibt.
OpenAI übernimmt laut einem Bericht des Wall Street Journal das Kamera-Startup Glass Imaging für über 300 Millionen Dollar. Gegründet wurde es von zwei ehemaligen Apple-Ingenieuren, die einst den Porträtmodus entwickelten. Bestätigt hat den Kauf bisher keines der beiden Unternehmen.