Der durchgesickerte S-1 von Anthropic zeigt 4,6 Milliarden Dollar Umsatz 2025, einen operativen Verlust von über 8 Milliarden und 518 Milliarden an Rechenzusagen. Wir klären, was eingereicht und was geleakt ist, und ordnen Kundenkonzentration und Risikofaktoren für Schweizer Firmen ein.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Der Prospekt ist vertraulich eingereicht und geleakt, nicht öffentlich auf EDGAR: Zahlen gelten als «laut Berichten», und die 518 Milliarden sind zu rund 80 Prozent fest zugesagt.
Der Börsenprospekt von Anthropic liegt nicht öffentlich auf der SEC-Plattform EDGAR, aber er ist in der Welt: Reuters hat das rund 261 Seiten lange Dokument eingesehen, andere Medien haben nachgezogen. Für alle, die Claude im Betrieb nutzen, steht darin einiges, das über die Schlagzeile «Milliardenverlust» hinausgeht.
Zuerst der Status, weil er oft verwechselt wird. Anthropic hat am 1. Juni 2026 einen Entwurf des S-1 vertraulich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das S-1 ist das Registrierungsdokument für einen US-Börsengang. Die Fassung, um die es jetzt geht, ist laut Reuters (via CNBC) und Fortune durchgesickert und war zuvor an einen kleinen Kreis von Partnern gegangen. Eine offizielle Stellungnahme von Anthropic zu den Zahlen fanden wir in keiner der geprüften Quellen. Erst die öffentliche Einreichung vor der Roadshow macht die Angaben verbindlich nachlesbar. Alle Zahlen unten gelten deshalb als «laut Berichten über den Prospekt».
Für 2025 nennen TechCrunch und Reuters einen Umsatz von rund 4,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus um den Faktor zwölf. Dem stehen Betriebsausgaben von etwa 12,65 Milliarden gegenüber, davon 7,33 Milliarden für Rechenleistung und Infrastruktur. Der operative Verlust liegt bei 8,06 Milliarden (2024: 2,98 Milliarden). Ende 2025 hatte Anthropic 20,28 Milliarden in der Kasse.
Beim Nettoverlust gehen die Zahlen scheinbar auseinander. Reuters und weitere Medien nennen rund 42 Milliarden Dollar, andere sprechen nur vom operativen Verlust von über 8 Milliarden. Beides stimmt: Etwa 34 Milliarden der 42 sind laut The Next Web eine nicht zahlungswirksame Buchung aus der Neubewertung von Finanzierungsinstrumenten. Das Geschäft selbst verbrennt also «nur» gut 8 Milliarden.
Die Trendwende steckt im Jahr 2026. Für das zweite Quartal nennen die Berichte 11,5 Milliarden Dollar Umsatz, nach 4,73 Milliarden im ersten. Anthropic steuert laut The Decoder und TechCrunch auf das zweite Quartal in Folge mit bereinigtem operativem Gewinn zu. «Bereinigt» heisst: nach Anpassungen, die Anthropic selbst definiert. Wie berichtet, war der erste bereinigte Gewinn bereits ein Thema; neu ist die Grössenordnung des Umsatzes.
Der heikelste Posten sind die Verpflichtungen für Cloud und Rechenzentren: 518 Milliarden Dollar. Die Berichte weichen bei der Laufzeit ab (fünf beziehungsweise zehn Jahre), wir halten sie deshalb offen. Laut InvestmentNews sind rund 80 Prozent nicht kündbar. Genannt werden unter anderem Google (111,1 Milliarden), Amazon (110), Microsoft (31,4) und Broadcom-Leasing (161,2). Im Prospekt steht zu Google sinngemäss: Bleibt der tatsächliche Verbrauch unter der Zusage, zahlt Anthropic die Differenz.
Das ist der Kern der Wette: Anthropic muss weiter so schnell wachsen, dass es diese Fixkosten trägt.
Knapp 25 Prozent des Umsatzes 2025 stammten von nur zwei Kunden. Der Prospekt nennt sie laut TechCrunch nicht; finews.ch schreibt, es seien Amazon und Google, was wir nicht unabhängig bestätigen konnten. Dazu kommt: Viele grosse Kunden haben keine langfristigen Verträge und könnten die Ausgaben senken.
Rund 80 der 261 Seiten gehören den Risikofaktoren, etwa ein Drittel. Anthropic räumt ein, dass Modelle Verhalten zeigen können wie Widerstand gegen das Abschalten, das Verbergen oder Manipulieren von Informationen und Handlungen, die das Unternehmen als «erpresserisch» beschreibt (so zitiert von Tech Times). Ausserdem warnt der Prospekt vor «katastrophalen oder existenziellen Risiken für die Menschheit». Das sind Risikohinweise in einem Rechtsdokument, keine neuen Testergebnisse. Bemerkenswert ist vor allem, dass sie so prominent stehen.
Direkte Schweizer Regulierungsfolgen nennen die Berichte nicht; zu SIX oder FINMA steht nichts drin. Belegt ist eine Verbindung auf Führungsebene: Novartis-CEO Vas Narasimhan sitzt seit April 2026 im Verwaltungsrat von Anthropic, ernannt vom Long-Term Benefit Trust. Berichtet wird der Fall auch von Schweizer Finanzmedien wie cash.ch, finews.ch und investrends.ch.
Praktisch für dich als Claude-Kunde: Der Prospekt zeigt, wie viel Anthropic für Rechenleistung fest zugesagt hat. Das kann Preisdruck nach oben oder unten bedeuten, je nachdem, ob die Auslastung reicht. Das ist unsere Einordnung, keine Aussage aus dem Prospekt. Wer Claude tief in Prozesse einbaut, sollte Ausstiegsoptionen und alternative Modelle im Blick behalten.
Angepeilt wird laut den Berichten eine Bewertung von über 2 Billionen Dollar (im Mai: 965 Milliarden), ein Listing an der Nasdaq nach den US-Zwischenwahlen im November. Die 50,1 Prozent Stimmrechte der Gründer sind wie berichtet bereits bekannt. Was fehlt: die öffentliche Fassung. Erst dann lassen sich die Zahlen gegen das Original prüfen.
Meta startet die Enterprise Platform mit Muse-Agent, Business Agent, Muse API und Muse Code. Leiten soll sie CJ Desai, bisher CEO von MongoDB. Preise und Schweiz-Start sind offen, und die jüngste Muse-Sicherheitslücke bleibt eine Vertrauensfrage.