Die EU-Kommission hat das Bieterverfahren für bis zu sieben KI-Gigafactories eröffnet: 10 Milliarden Euro öffentliches Geld sollen über 20 Milliarden private Investitionen auslösen. Auch für die Schweiz relevant – seit November 2025 ist sie wieder EuroHPC-Teilnehmerstaat.
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Europa will mit über 30 Milliarden Euro seine KI-Rechenkapazität mehr als verdoppeln – doch fest zugesagt ist erst rund eine Milliarde, während US-Konzerne pro Quartal mehr als das Doppelte des gesamten Pakets investieren.
Die EU-Kommission hat am 30. Juli das Bieterverfahren für bis zu sieben KI-Gigafactories eröffnet – Rechenzentren einer neuen Grössenordnung, mit denen Europa im KI-Rennen gegen die USA und China aufholen will. Bis zu 10 Milliarden Euro aus EU- und nationalen Töpfen sollen als Ankerinvestition mindestens 20 Milliarden Euro privates Kapital anziehen: insgesamt über 30 Milliarden Euro.
Konsortien aus Firmen, öffentlichen Stellen und Investoren können bis am 12. November 2026 bieten, die Auswahl fällt Anfang 2027, die ersten Anlagen sollen Mitte 2028 laufen. Jede Gigafactory soll mindestens 100'000 modernste KI-Chips beherbergen – rund viermal mehr als die grössten heutigen EU-Rechenzentren. Zusammen würden die Anlagen Europas KI-Rechenkapazität mehr als verdoppeln und Startups, KMU und Forschung Zugang zum Training grosser Modelle geben. Kommissions-Vizepräsidentin Henna Virkkunen nennt Rechenleistung in diesem Massstab eine «strategische Notwendigkeit». Der Haken: Die Chips kommen laut Absichtserklärungen von Nvidia, AMD und Qualcomm – also genau aus jenem Land, von dem sich Europa unabhängiger machen will.
Fest zugesagt ist bislang nur rund eine Milliarde Euro – der Grossteil hängt am nächsten EU-Finanzrahmen (2028–2035), der noch gar nicht beschlossen ist. Zur Einordnung: US-Tech-Konzerne planen allein dieses Jahr über 600 Milliarden Dollar für Rechenzentren; Microsoft und Meta haben im letzten Quartal zusammen 72 Milliarden Dollar investiert – mehr als das Doppelte des gesamten EU-Pakets in nur drei Monaten. Immerhin: Das Interesse ist da, eine frühere Interessenbekundung brachte 76 Projektvorschläge.
Stehen müssen die Gigafactories in EU-Mitgliedstaaten – die Schweiz fällt als Standort weg. Profitieren kann sie trotzdem: Seit November 2025 ist sie wieder Teilnehmerstaat des Hochleistungsrechnen-Verbunds EuroHPC, dessen Dienste Nutzern in allen Teilnehmerstaaten offenstehen – also auch Schweizer Startups und Forschenden. Mit «Alps» am CSCS in Lugano, dem Supercomputer hinter dem Schweizer Sprachmodell Apertus, hat die Schweiz zwar einen eigenen Spitzenrechner. Doch mit über 100'000 Chips pro Anlage spielen die Gigafactories in einer anderen Liga. Gebaut wird ab 2027 – vorausgesetzt, das Geld aus dem nächsten EU-Budget kommt tatsächlich.

65 Prozent der Wissensarbeitenden blicken laut einer Adaptavist-Studie regelmässig nostalgisch auf die Arbeitswelt vor generativer KI zurück – 38 Prozent würden die Tools am liebsten ganz abschaffen. Der Haupttreiber: eine «Verifikations-Steuer», weil das Prüfen von KI-Output den Zeitgewinn auffrisst.