KI-Newsletter #23 – Anthropic legt vor dem IPO die Zahlen offen, OpenAI kappt Cursor die Modelle und MeteoSchweiz warnt neu per Deep Learning
Anthropic legt vor dem IPO die Zahlen offen: 65 Milliarden Dollar annualisierter Umsatz, erster operativer Gewinn – aber erst ein Drittel der angestrebten Zwei-Billionen-Bewertung. Zeitgleich mietet Anthropic für 45 Milliarden Rechenleistung bei Nscale und wehrt vor Gericht die Pentagon-Blacklist ab. OpenAI kappt Cursor ab November die GPT-Modelle, weil die neue Muttergesellschaft SpaceX heisst. Tencent öffnet ein 770-Milliarden-Modell unter Apache 2.0. Aus der Schweiz: MeteoSchweiz warnt neu mit Deep Learning vor Gewittern, laut IGEM nutzen vier von fünf Menschen bereits KI – und die Zürcher Polizei-KI landet vor Bundesgericht. Ab geht's.
OpenAI kappt Cursor die GPT-Modelle – Stichtag 12. November
OpenAI beendet den Vertrag, der seine Modelle an das Programmierwerkzeug Cursor liefert – vorgeschlagenes Abschaltdatum ist der 12. November 2026. Grund ist nicht Cursor selbst, sondern der neue Eigentümer SpaceX. Für Entwicklerteams heisst das: gut zehn Wochen, um GPT-Modelle in Cursor zu ersetzen.
Musk giesst Turbinenschaufeln selbst – KI-Strom 18 Monate früher
Elon Musk hat bestätigt, dass eine geheime SpaceX-Giesserei in Texas Gasturbinen-Schaufeln produzieren soll – damit Kraftwerke für KI-Rechenzentren bis zu 18 Monate früher ans Netz gehen. Genau solche Turbinen haben in den USA bereits eine Klage der NAACP und mehrere Gesundheitsstudien ausgelöst.
Tencent öffnet 770-Milliarden-Modell – Apache 2.0, 1 Million Token
Tencent hat Hy4 preview veröffentlicht: 770 Milliarden Parameter, 1 Million Token Kontext, Gewichte frei unter Apache 2.0. Das bisher grösste offene Modell des Konzerns – und der Lizenztext hat diesmal wirklich kein Kleingedrucktes.
Anthropic mietet für 45 Milliarden Dollar Rechenleistung bei Nscale
Anthropic hat laut Bloomberg für rund 45 Milliarden Dollar Rechenkapazität beim britischen Anbieter Nscale gebucht – sechs Jahre, 460 Megawatt, ab Ende 2027. Kurz vor dem Börsengang zeigt der Deal vor allem eines: die Kostenseite.
US-Gericht: Pentagon-Blacklist gegen Anthropic war Vergeltung
Eine Bundesrichterin in San Francisco erklärt die Einstufung von Anthropic als «Lieferketten-Risiko» für rechtswidrig – sie sei Vergeltung für die Kritik des KI-Labors an der Regierung. Formal bleibt Anthropic vorerst auf der Liste, weil ein zweites Verfahren in Washington noch läuft.
Meta stoppt den KI-Massenabbau – die Agenten lieferten nicht
Unter dem Codenamen «Project OT» wollte Meta einzelne Teams um bis zu 60 Prozent verkleinern und die Arbeit KI-Agenten überlassen. Stunden vor der ersten Entlassungswelle stoppte Mark Zuckerberg die zweite – die Agenten produzierten 220 Prozent mehr Code, aber nur 36 Prozent mehr Funktionen, die bei Nutzern ankamen.
Sony und Warner verklagen Anthropic – auch die Gründer persönlich
Sony Music Publishing und Warner Chappell werfen Anthropic vor, Songtexte im grossen Stil per Torrent beschafft zu haben. Verklagt wird nicht nur die Firma, sondern auch CEO Dario Amodei und Mitgründer Benjamin Mann persönlich – gefordert werden bis zu 150'000 Dollar pro Werk.
MeteoSchweiz warnt neu mit Deep Learning vor Gewittern
MeteoSchweiz hat seine automatischen Gewitterwarnungen auf ein Deep-Learning-Modell umgestellt. Es rechnet alle fünf Minuten für die ganze Schweiz und warnte im Tessin rund 35 Minuten vor dem per Radar bestätigten Grosshagel. Trainiert wurde es auf den Supercomputern des CSCS in Lugano.
Vier von fünf in der Schweiz nutzen KI
Der IGEM-Digimonitor 2026 zeigt: 80 Prozent nutzen KI-Dienste – doppelt so viele wie 2024. Fast jede dritte Person täglich.
Zürcher Polizei-KI landet vor dem Bundesgericht
Digitale Gesellschaft, DJZ, CCC Zürich und drei Parteien ziehen gegen das revidierte Zürcher Polizeigesetz vor Bundesgericht – wegen KI-Analyse und automatisiertem Datenaustausch.
Nvidia soll Hugging Face für 12,9 Milliarden kaufen
Laut einem Bericht des Fachdienstes The Information hat Nvidia zugestimmt, die Open-Source-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu übernehmen – rund das 86-Fache des Jahresumsatzes. Bestätigt ist davon nichts: Beide Firmen schweigen, und ein zweiter Bericht spricht von Gesprächen ohne unterschriebenen Vertrag. Für die Schweiz zählt der Fall, weil Apertus auf Nvidia-Chips trainiert wurde und über Hugging Face verteilt wird.
Tencent Hy4 preview
Tencent legt sein bisher grösstes offenes Modell nach: Hy4 preview mit 770 Milliarden Parametern, 1 Million Token Kontext und Apache-2.0-Lizenz – diesmal ohne Kleingedrucktes im Lizenztext. Damit steht neben Metas Muse Glimmer und Alibabas Qwen3.8 ein weiteres echtes Frontier-Modell zum Self-Hosting bereit. Für Schweizer Firmen mit strikten Data-Residency-Anforderungen (DSG, Bankgeheimnis, Berufsgeheimnis) wird die offene Frontier-Auswahl damit erstmals ernsthaft – und pluralistisch.
Anthropic
Vor dem geplanten Börsengang legt Anthropic Zahlen und Deals im Wochentakt vor: 65 Milliarden Dollar annualisierter Umsatz, erster operativer Gewinn, 6'000 Grosskunden. Für die kommenden Jahre werden 45 Milliarden Dollar Rechenleistung bei Nscale reserviert (460 MW ab Ende 2027). Gleichzeitig legt ein US-Bundesgericht die Pentagon-Blacklist gegen Anthropic als rechtswidrige Vergeltübung ad acta. Der Model Hardware Standard öffnet KI-Agenten den Zugriff auf Laborgeräte – und ein interner Report zeigt, dass Claude für 4 Dollar pro Stunde bessere Alignment-Trainingsmethoden entwarf als 28 menschliche Forschende. Der Schatten: Sony und Warner verklagen Anthropic samt Gründern persönlich wegen Songtexten. Trotzdem – kein Lab schafft im Moment mehr Substanz pro Woche.
65 Mrd USD Umsatz-Run-Rate offengelegt, 45-Mrd-Nscale-Deal, Pentagon-Blacklist gerichtlich als Vergeltung eingestuft, Model Hardware Standard für Laborgeräte – alles in einer Woche.























