Eine einheitliche KI-Plattform für die städtischen Volksschulen: fobizz, für rund 45'000 Franken pro Jahr. Schluss mit privaten ChatGPT-Accounts.
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Nicht die Lizenz entscheidet, ob KI im Klassenzimmer funktioniert, sondern ob die Lehrpersonen damit umgehen können – und dafür budgetiert Luzern bis Sommer 2028 nur 10'000 bis 15'000 Franken.
Der Luzerner Stadtrat empfiehlt dem Grossen Stadtrat, ein Postulat für eine einheitliche, datenschutzkonforme KI-Plattform an den städtischen Volksschulen gutzuheissen. Zum Zug kommen soll «fobizz», eine deutsche Plattform für Lehrpersonen – für rund 45'000 Franken Lizenzkosten pro Jahr. Dazu will die Stadt einen eigenen Rahmen für den KI-Einsatz erarbeiten. Das geht aus der Antwort des Stadtrats vom 18. August 2026 hervor, über die zentralplus und inside-it.ch berichten.
Auslöser ist das Postulat 179, eingereicht am 20. März 2026 von Maël Leuenberger und Sophia Müller namens der SP/JUSO-Fraktion sowie Martin Huber namens der GLP-Fraktion. Die Diagnose darin: KI werde im Schulalltag zunehmend genutzt, aber «häufig uneinheitlich, teilweise über private Accounts oder über Anbieter ohne klar geregelten Datenschutz nach schweizerischem Recht» – mit Datenschutzrisiken und ungleichen Voraussetzungen als Folge.
Eine Standortbestimmung Anfang 2026 an den Primar- und Sekundarschulen bestätigte das: KI wird genutzt, der Wissensstand der Lehrpersonen ist aber «sehr heterogen» – und die kantonalen Vorgaben sind zu wenig bekannt.
Hinter fobizz steht die 101skills GmbH aus Hamburg. Sie bündelt Weiterbildungen, Unterrichtsmaterialien und KI-Werkzeuge; Klassen lassen sich ohne eigene Accounts in digitale Klassenräume einladen. Im KI-Chat wählt die Lehrperson das Modell selbst – von GPT über Claude und Gemini bis Mistral oder Llama, wie der Think Tank Medien und Informatik der PHBern auflistet.
Die Stadt befragte 14 Schulbetriebe: Die Hälfte hatte bereits eine fobizz-Lizenz, gelobt wurden Datenschutz und Steuerbarkeit. Neu ist die Plattform in der Schweiz ohnehin nicht – der Kanton Luzern kooperiert seit 2025 mit ihr, zusammen mit der Dienststelle Volksschulbildung und dem ZEMBI der PH Luzern. Im Kanton Zürich läuft ein Gratis-Pilot für Lehrpersonen der Sek II bis Ende 2026.
Teuer ist das nicht: Auf die rund 8'900 Kinder und Jugendlichen an den obligatorischen Schulstufen der Stadt Luzern gerechnet – die Zahl stammt von LUSTAT –, sind 45'000 Franken etwa fünf Franken pro Kopf und Jahr. Der eigentliche Preis liegt woanders: in der Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, der die Anfragen an fremde Sprachmodelle weiterreicht. GPT, Claude und Gemini stammen allesamt von US-Konzernen.
Eine Lizenz allein löst wenig. Der Stadtrat misst einer praxisnahen Weiterbildung deshalb grosse Bedeutung bei – budgetiert dafür bis Ende Schuljahr 2027/28 aber nur 10'000 bis 15'000 Franken für externe Angebote. Das ist ein Viertel bis ein Drittel eines einzigen Lizenzjahres. So lange sind auch die Lizenzen zentral finanziert, danach wird neu beurteilt. Der Handlungsdruck ist real: Laut dem JAMESfocus-Bericht von ZHAW und Swisscom haben 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in der Schweiz bereits KI-Tools genutzt, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es 84 Prozent.
Am selben Tag, an dem Luzern seine Antwort publizierte, lancierte OpenAI «ChatGPT for Teens» mit Studienmodus und Elternkontrollen. Zwei Wege zum selben Problem – nur setzt beim einen der Anbieter die Regeln, beim anderen die Schule. Wenn dein Kind in Luzern zur Schule geht, ändert sich vorerst trotzdem nichts: Der Grosse Stadtrat muss das Postulat erst noch behandeln.

Das Universitätsspital Lausanne koordiniert ein nationales KI-Projekt, das Schweizer Spitälern helfen soll, systematisch aus kritischen Zwischenfällen zu lernen. Der Bund zahlt dafür rund 480'000 Franken. Getestet wird der KI-Assistent in drei Sprachregionen gleichzeitig.