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Nvidia sammelt 500 Milliarden – und bürgt für seine eigenen Chips

Nvidia will mit sechs Wall-Street-Häusern über 500 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren mobilisieren – und garantiert dafür bis zu 25 Prozent des Restwerts seiner eigenen Chips. Warum das die Kritik an der Kreislauf-Finanzierung nicht beendet, sondern formalisiert. Und weshalb es deine Pensionskasse etwas angeht.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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12. AUGUST 2026
5 MIN. LESEZEIT
Handgezeichnete Illustration: Geldstrom aus Wall-Street-Türmen fliesst in eine KI-Rechenzentrums-Halle, ein Chip auf einer Waage – kinewsletter.ch Stil
Handgezeichnete Illustration: Geldstrom aus Wall-Street-Türmen fliesst in eine KI-Rechenzentrums-Halle, ein Chip auf einer Waage – kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Sechs Adressen, eine halbe Billion0225 Prozent Rückversicherung auf den eigenen Chip03Burrys 176-Milliarden-Vorwurf04Nvidia steckt in deiner Pensionskasse05Wenn niemand weiss, wo das Risiko liegt06Alles hängt an einer Zahl
INHALT
01Sechs Adressen, eine halbe Billion0225 Prozent Rückversicherung auf den eigenen Chip03Burrys 176-Milliarden-Vorwurf04Nvidia steckt in deiner Pensionskasse05Wenn niemand weiss, wo das Risiko liegt06Alles hängt an einer Zahl
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Nvidia macht Rechenleistung zur Anlageklasse und übernimmt dafür selbst einen Teil des Abschreibungsrisikos. Ob das aufgeht, hängt an einer einzigen Frage: Wie viel ist eine GPU in fünf Jahren noch wert?

Nvidia hat am 10. August 2026 Absichtserklärungen mit sechs der grössten Finanzhäuser der Welt unterzeichnet – Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR –, um über 500 Milliarden US-Dollar Drittkapital für den Ausbau von KI-Rechenzentren zu mobilisieren. Damit die Investoren mitmachen, garantiert Nvidia laut Mitteilung bei einzelnen Projekten bis zu 25 Prozent des Restwerts seiner eigenen Hardware. Nvidia übernimmt also einen Teil des Abschreibungsrisikos auf die Chips, die es selbst verkauft.

Sechs Adressen, eine halbe Billion

Was da entsteht, nennt Nvidia «Compute-Financing-Plattformen»: eigenständige Kapitaltöpfe, aus denen Rechenzentrumsbetreiber, KI-Labore und Startups den Kauf von Nvidia-Systemen finanzieren. Bisher wurde jedes Rechenzentrum einzeln gestemmt, künftig soll Rechenleistung finanzierbar werden wie ein Stromnetz.

«Wir haben damit angefangen, Chips zu bauen; heute helfen wir, eine neue Klasse produktiver, investierbarer Infrastruktur zu schaffen: KI-Fabriken.» – Jensen Huang, Gründer und CEO von Nvidia

Wichtig: Die 500 Milliarden sind ein Sammelziel über mehrere Jahre – kein Nvidia-Umsatz, kein einzelner Fonds. Einen Zeitplan gibt es nicht, und die Partnerschaften stehen unter dem Vorbehalt der finalen Verträge.

25 Prozent Rückversicherung auf den eigenen Chip

Der brisante Teil steht im Kleingedruckten. Nvidia sichert einzelne Transaktionen mit einer Restwertgarantie ab – im Fachjargon: «residual value mechanism». Ist die installierte Hardware am Ende der Finanzierungslaufzeit weniger wert als kalkuliert, springt Nvidia für einen Teil der Lücke ein: maximal 25 Prozent pro Transaktion, geprüft von Fall zu Fall. Bloomberg hat den Mechanismus unabhängig bestätigt, zuerst berichtet hatte ihn die Financial Times.

Warum das nötig ist, sagt Nigel Green von der Finanzberatung deVere Group in einer von CNN zitierten Stellungnahme: Chips seien noch nie als bankfähiger, langlaufender Vermögenswert behandelt worden – sie verlieren an Wert, sobald die nächste Generation kommt.

Burrys 176-Milliarden-Vorwurf

Genau hier setzt die prominenteste Kritik an. Investor Michael Burry, bekannt aus «The Big Short», wirft den grossen Cloud-Anbietern seit November 2025 vor, ihre Gewinne zu schönen: Sie schreiben Nvidia-Hardware über fünf bis sieben Jahre ab, obwohl alle zwei bis drei Jahre eine neue Generation kommt. Seine Rechnung gegenüber CNBC: Zwischen 2026 und 2028 werde die Abschreibung um rund 176 Milliarden Dollar zu niedrig ausgewiesen.

Huang hält dagegen. Die 2020 lancierte A100 sei sechs Jahre später noch im kommerziellen Einsatz, die wirtschaftliche Lebensdauer reiche Richtung Dekade. CUDA, Nvidias Software-Plattform, mache installierte Hardware mit der Zeit besser. Als Marktbeleg nennt er steigende Mietpreise: H100-Jahresverträge kletterten von 1.70 Dollar pro GPU-Stunde im Oktober 2025 auf 2.35 Dollar im März 2026.

Der Markt reagierte zwiespältig. Die Nvidia-Aktie gab laut Financial Times rund 1,4 Prozent nach – über 70 Milliarden Dollar Marktwert. Im Kreditmarkt dagegen kam Entspannung auf: Die Absicherung von Nvidia-Schulden gegen einen Ausfall kostete Ende Juli bis zu 82'000 Dollar je 10 Millionen Dollar Nominal – rund doppelt so viel wie zuvor. Danach fiel der Wert laut Bloomberg auf etwa 73'000 Dollar.

Nvidia steckt in deiner Pensionskasse

Für dich als Schweizer Anleger ist das keine ferne Wall-Street-Geschichte. Nvidia ist die grösste Einzelposition im US-Aktienportfolio der Schweizerischen Nationalbank – laut der 13F-Meldung, die die SNB am 11. August bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichte: 65,1 Millionen Aktien im Wert von 13 Milliarden Dollar, 6,8 Prozent eines 191-Milliarden-Portfolios, mehr als Apple, Alphabet oder Microsoft. Im zweiten Quartal baute die SNB ihren Nvidia-Bestand um gut sechs Millionen Aktien ab.

Und in der zweiten Säule? Laut dem «Pensionskassen-Jahrbuch 2025» der Beratungsfirma PPCMetrics ist Nvidia mit 2,7 Prozent der Aktienanlagen die am höchsten gewichtete globale Aktie in Schweizer Vorsorgeeinrichtungen – vor Microsoft und Apple. Läuft ein solches Schwergewicht schlecht, sagt PPCMetrics-Experte Luzius Neubert, wirke sich das «im Extremfall negativ auf die Leistungsseite der Pensionskasse aus – auf die Verzinsung und den Umwandlungssatz etwa».

Wenn niemand weiss, wo das Risiko liegt

Die Bank of England hat genau dieses Muster in ihrem Financial Stability Report vom Juli 2026 beschrieben. KI-Firmen nutzen Kreditmärkte demnach in historisch beispiellosem Tempo:

  • 41 Prozent aller nicht refinanzierungsbedingten US-High-Yield-Emissionen dieses Jahres stammen von KI-Emittenten – Ende 2025 waren sie nur 1 Prozent des entsprechenden Index
  • Der Anteil von Private Credit an der Finanzierung von KI-Investitionen stieg laut einer im Bericht zitierten OECD-Schätzung von 9 Prozent (2024) auf 34 Prozent (2025)
  • Im S&P 500 machen KI-Unternehmen inzwischen rund die Hälfte der Marktkapitalisierung aus, 2022 war es ein Viertel

Das Beunruhigende ist nicht die Höhe, sondern die Unübersichtlichkeit. Für Finanzinstitute sei es schwierig, das volle Ausmass ihrer direkten und indirekten Engagements im KI-Ökosystem überhaupt zu kennen, schreibt die Notenbank. Verschärfen sich die Finanzierungsbedingungen, könnten Schocks bis in die Realwirtschaft durchschlagen.

Alles hängt an einer Zahl

Nvidia verwandelt Rechenleistung in eine Anlageklasse – und macht sich selbst zum Rückversicherer letzter Instanz. Kurzfristig löst das ein reales Problem: KI-Firmen kommen an Kapital, ohne dass Nvidia jeden Deal selbst stemmt. Langfristig hängt alles an einer Zahl – dem Restwert einer GPU in fünf Jahren.

Hat Huang recht, war das ein cleverer Schachzug. Hat Burry recht, hat Nvidia gerade einen Teil des Risikos zurückgenommen, das es eigentlich weiterverkaufen wollte. Behalte zwei Dinge im Auge: ob die finalen Verträge zustande kommen – und wie sich die Mietpreise für ältere GPU-Generationen entwickeln. Ehrlichere Frühindikatoren gibt es nicht.

Quellen

NVIDIA Partners With Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs and KKR (Pressemitteilung, 10.08.2026)↗ EXTERNER LINKApollo: NVIDIA Partners with Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs and KKR↗ EXTERNER LINKCNN Business: Nvidia and Wall Street team up on $500 billion bet on AI infrastructure↗ EXTERNER LINKBloomberg: Nvidia's Show of Financial Force Soothes Jittery Credit Markets↗ EXTERNER LINKThe Decoder: Nvidia guarantees its own chips' value to unlock $500 billion in AI infrastructure financing↗ EXTERNER LINKinside-it.ch / Keystone-sda: Nvidia will eine halbe Billion Dollar für KI sammeln↗ EXTERNER LINKBank of England: Financial Stability Report, Juli 2026↗ EXTERNER LINKSEC EDGAR: Swiss National Bank, Form 13F-HR für Q2 2026 (eingereicht 11.08.2026)↗ EXTERNER LINKcash.ch: Wert des US-Aktienportfolios der SNB steigt auf höchsten Stand seit vier Jahren↗ EXTERNER LINKcash.ch: Schweizer Pensionskassen gehen laut Studie Klumpenrisiken ein (PPCMetrics)↗ EXTERNER LINKCNBC: 'Big Short' investor Michael Burry accuses AI hyperscalers of artificially boosting earnings↗ EXTERNER LINK
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