Anthropic baut ein eigenes Team für kundenspezifische KI-Chips auf und sucht Chipdesigner für bis zu 485'000 Dollar im Jahr. Hardware und Modelle sollen künftig gemeinsam entworfen werden, damit Claude schneller und günstiger läuft. Das eigene Silizium ergänzt die bestehenden Deals mit AWS, Google, Nvidia und AMD – ersetzen soll es sie nicht.
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Mit dem eigenen Chip-Team zieht Anthropic mit OpenAI, Google und Meta gleich: Wer Rechenleistung nur einkauft, zahlt drauf. Konkretes gibt es aber noch nicht – weder Zeitplan noch Fertigungspartner sind bestätigt.
Anthropic entwirft künftig eigene Chips. Das Unternehmen hinter Claude hat am 5. August gegenüber TechCrunch bestätigt, dass es ein «custom silicon team» aufbaut – ein Team, das Hardware und KI-Modelle gemeinsam entwerfen soll, damit Claude schneller und effizienter läuft. In der eigenen Stellenausschreibung sucht Anthropic dafür Chipdesign-Ingenieure zu Jahresgehältern von 320'000 bis 485'000 US-Dollar. Zuerst berichtet hatte Business Insider.
Die Ausschreibung ging am 4. August online und ist auffällig breit angelegt: Anthropic öffnet Suchen quer über acht Chipdesign-Disziplinen – von Front-End-Design über Pre-Silicon-Verifikation und Physical Design bis zu Packaging und Signalintegrität. Bedingung ist ein «direct personal contribution to silicon that taped out and shipped», also nachweisliche Mitarbeit an einem Chip, der tatsächlich in Fertigung ging und ausgeliefert wurde. Kein Forschungsprojekt also, sondern ein Produktteam. Zwei Tage später kam eine zweite Silizium-Stelle dazu: ein technischer Programmmanager, dotiert mit 365'000 bis 435'000 Dollar.
Wer den Chip fertigen soll, ist offen. Anfang Juli berichtete The Information, Anthropic sondiere Samsung als möglichen Fertigungspartner. Bestätigt hat Anthropic das nie – und auch jetzt nennt das Unternehmen weder einen Zeitplan noch, ob es selbst fertigen lassen oder nur entwerfen will. Die Stellenausschreibung spricht lediglich davon, die Inbetriebnahme des ersten Siliziums zu unterstützen, «wenn es soweit ist».
Laut Anthropic ist das eigene Silizium Teil einer «Multi-Chip»-Strategie: Es soll die bestehenden Vereinbarungen mit AWS, Google, Nvidia und AMD ergänzen, nicht ersetzen. Damit schliesst Anthropic zu den Rivalen auf. OpenAI stellte im Juni den zusammen mit Broadcom entwickelten Inferenz-Chip «Jalapeño» vor, Google setzt seit Jahren auf eigene TPUs, Meta baut seine MTIA-Beschleuniger. Der Hintergrund ist derselbe wie beim 10-Milliarden-Dollar-Deal mit dem Cloud-Startup Volta von letzter Woche: Rechenleistung ist der Engpass – und eingekaufte Kapazität ist teuer.
Ein Detail zeigt, wie Anthropic den Rückstand aufholen will. Die Ausschreibung verlangt ausdrücklich Praxiserfahrung mit KI-Coding-Werkzeugen und nennt als Beispielprojekt einen «Claude-gestützten Workflow für RTL-Reviews» – RTL ist die Ebene, auf der die Logik eines Chips beschrieben wird. Anthropic will Claude also beim Entwurf jener Chips einsetzen, auf denen Claude später laufen soll. Für dich als Nutzer ändert sich vorerst nichts: Ein Datum, wann der erste eigene Chip rechnet, nennt das Unternehmen nicht.
Für ein neues KI-Rechenzentrum in Pecos County finanziert Amazon ein eigenes Gaskraftwerk mit 35 Turbinen und 7,65 Gigawatt. Die Bewilligung erlaubt 33 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr – mehr als jedes andere Kraftwerk der USA. Am Netto-Null-Versprechen für 2040 hält der Konzern trotzdem fest.