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Palantir: 93 Prozent Wachstum und erstmals eine Milliarde Gewinn

Palantir hat im zweiten Quartal 2026 den Umsatz um 93 Prozent auf 1,935 Milliarden Dollar gesteigert und erstmals über eine Milliarde Dollar Quartalsgewinn erzielt. CEO Alex Karp nennt das Quartal «otherworldly» – und teilt kräftig gegen die KI-Labs aus.

Pascal Eugster
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4. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer Kristallkugel auf einem Schreibtisch vor einer Stadt-Skyline, Sketch-Stil mit elektroblauen Akzenten, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Kristallkugel auf einem Schreibtisch vor einer Stadt-Skyline, Sketch-Stil mit elektroblauen Akzenten, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Das US-Geschäft explodiert – vor allem bei Firmenkunden02Jahresziel: 82 Prozent Wachstum03«Marxistische Untertöne» – Karps Spitze gegen die KI-Labs04Rule of 40? Palantir liegt bei 155
INHALT
01Das US-Geschäft explodiert – vor allem bei Firmenkunden02Jahresziel: 82 Prozent Wachstum03«Marxistische Untertöne» – Karps Spitze gegen die KI-Labs04Rule of 40? Palantir liegt bei 155
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Palantirs Rekordquartal ist der bisher stärkste Beleg, dass sich die Nachfrage nach KI-Software in echte Umsätze und Gewinne verwandeln lässt – nicht nur in Rechenzentren-Investitionen.

Palantir hat am Montagabend nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vorgelegt, die selbst in der verwöhnten KI-Branche herausstechen: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 93 Prozent auf 1,935 Milliarden Dollar, der Nettogewinn lag mit 1,06 Milliarden Dollar erstmals über der Milliardengrenze – mehr Gewinn in einem Quartal, als das Unternehmen vor einem Jahr insgesamt umgesetzt hat. Die Jahresprognose hob der Datenanalyse-Spezialist gleich mit an, die Aktie sprang nachbörslich um 12 Prozent. CEO Alex Karp nannte das Quartal in der Mitteilung schlicht «otherworldly» – nicht von dieser Welt.

Das US-Geschäft explodiert – vor allem bei Firmenkunden

Palantir ist gross geworden mit Software für Regierungen und Militär. Doch der eigentliche Treiber ist inzwischen das kommerzielle Geschäft: Der Umsatz mit US-Firmenkunden schoss laut Quartalsmitteilung um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar nach oben, das US-Regierungsgeschäft wuchs um 90 Prozent auf 809 Millionen. Im Quartal schloss Palantir 220 Verträge über mindestens eine Million Dollar ab, 73 davon über mindestens zehn Millionen.

Die Erwartungen der Analysten wurden klar übertroffen: 41 Cent bereinigter Gewinn je Aktie statt der laut CNBC erwarteten 35 Cent, 1,94 Milliarden Dollar Umsatz statt 1,80 Milliarden. «Forget consensus», sagte Karp im CNBC-Interview. «Meines Wissens ist kein Unternehmen unserer Grösse auch nur halb so schnell gewachsen.»

Jahresziel: 82 Prozent Wachstum

Konkret heisst das für den Rest des Jahres: Palantir erwartet neu 8,15 bis 8,16 Milliarden Dollar Jahresumsatz – ein Plus von 82 Prozent gegenüber 2025 und deutlich mehr als die bisher versprochenen rund 7,65 Milliarden. Das US-Commercial-Geschäft soll um mindestens 134 Prozent auf über 3,42 Milliarden wachsen. Karp rechnet damit, dass das Tempo «mindestens weitere 18 Monate» anhält.

Bemerkenswert ist der Kontext: Vor den Zahlen hatte die Palantir-Aktie seit Jahresbeginn 29 Prozent verloren, weil Anleger zunehmend zweifelten, ob sich der KI-Boom für Software-Anbieter je auszahlt. Das Rekordquartal ist die bisher deutlichste Antwort auf diese Frage – und ein Kontrapunkt zur Earnings-Saison von Microsoft und Meta, die vor allem mit gigantischen Infrastruktur-Investitionen Schlagzeilen machten. Palantir zeigt die andere Seite: KI-Software, die heute schon Gewinn abwirft.

«Marxistische Untertöne» – Karps Spitze gegen die KI-Labs

Karp wäre nicht Karp ohne Provokation. Im Aktionärsbrief attestierte der in Sozialtheorie promovierte Philosoph der KI-Branche «marxistische Ober- und Untertöne»:

«Andere, darunter viele, die grosse Sprachmodelle bauen, beabsichtigen – wissentlich oder nicht –, die Produktionsmittel ihrer vermeintlichen Partner zu übernehmen.»

Gemeint sind die grossen KI-Labs wie OpenAI und Anthropic: Sie verkauften Unternehmen Modell-Zugang und bauten mit den gewonnenen Daten und dem Know-how parallel eigene Konkurrenzprodukte auf – von Design-Tools bis Gesundheitswesen. Palantir positioniert sich als Gegenentwurf: modell-agnostische Software, bei der Kunden Daten, Prompts und Abläufe selbst kontrollieren. «Die Nachfrage nach KI-Souveränität ist jetzt entfesselt», schrieb Karp in der Mitteilung. Wie TechCrunch einordnet, ist die Rhetorik zwar typisch zugespitzt – der Kern der Kritik werde aber zunehmend auch von anderen geteilt, etwa von Microsoft-CEO Satya Nadella.

Rule of 40? Palantir liegt bei 155

Für Software-Firmen gilt die «Rule of 40» als Gesundheitscheck: Umsatzwachstum plus operative Marge sollten zusammen mindestens 40 Prozent ergeben. Palantir meldet 155 Prozent – fast das Vierfache dieser Schwelle. Für dich als Beobachter der KI-Wirtschaft ist das die eigentliche Nachricht: Die Frage war lange, ob ausser Nvidia und den Cloud-Riesen überhaupt jemand mit KI Geld verdient. Palantir liefert nun den Beleg, dass auch die Software-Schicht darüber massiv monetarisierbar ist. Offen bleibt, ob das Tempo trägt, was die Bewertung längst einpreist – Karps 18-Monate-Ansage wird daran gemessen werden.

Quellen

Palantir Q2 2026 Press Release (SEC EDGAR, Exhibit 99.1)↗ EXTERNER LINKCNBC: Palantir (PLTR) earnings Q2 2026↗ EXTERNER LINKTechCrunch: After killer quarter, Palantir CEO Alex Karp calls AI industry 'Marxist'↗ EXTERNER LINKPalantir Investor Relations↗ EXTERNER LINK
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